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UNTERSCHIEDLICHE DARSTELLUNGEN ZUM SELBEN THEMA VERGLEICHEN

AUFGABEN

  1. REPRO Schildere knapp den Verlauf der Französischen Revolution seit 1789.
  2. TRANS Vergleiche die Schulbuchdarstellung der Jakobinerregierung in Material 5 mit derjenigen in Material 6.
  3. REPRO Fasse die in den Materialien 7, 8 & 9 getroffenen Einschätzungen der Französischen Revolution zusammen und berücksichtige dabei  insbesondere die Einschätzung der Jakobinerherrschaft.
  4. ** REFLEX Erörtere mögliche ideologische oder weltanschauliche Hintergründe, die für die unterschiedlichen Darstellungen verantwortlich sein könnten.
  5. **REFLEX Beurteile die unterschiedlichen Darstellungen der Französischen Revolution (Materialien 5 bis 9) aus der Perspektive der ersten beiden Strophen des Gedichts „Checking Out Me History“ (= Material 10) des aus Jamaica stammenden Schriftstellers John Agard.
  6. *** REFLEX Erörtere, wie – deiner Ansicht nach – eine adäquate Darstellung der Jakobinerherrschaft in einem Schulbuch aussehen sollte. Beurteile in diesem Zusammenhang, ob eine Darstellung der Französischen Revolution und der Herrschaft der Jakobiner ohne Bezugnahme auf die Revolution auf Haiti sinnvoll ist.
  7. *** REFLEX A politician from Indo-China (now Vietnam) – who had fought against the French colonial power in order to gain independence in the 1950s – was asked what he thought of the French Revolution. His answer was: “It is too soon to tell.” Give an explanation for his answer.

 

Material 1: Gemälde – Touissant Louverture

 

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AUFGABEN

  1. REPRO Schildere knapp den Verlauf der Französischen Revolution seit 1789.
  2. TRANS Vergleiche die Schulbuchdarstellung der Jakobinerregierung in Material 5 mit derjenigen in Material 6.
  3. REPRO Fasse die in den Materialien 7, 8 & 9 getroffenen Einschätzungen der Französischen Revolution zusammen und berücksichtige dabei  insbesondere die Einschätzung der Jakobinerherrschaft.
  4. ** REFLEX Erörtere mögliche ideologische oder weltanschauliche Hintergründe, die für die unterschiedlichen Darstellungen verantwortlich sein könnten.
  5. **REFLEX Beurteile die unterschiedlichen Darstellungen der Französischen Revolution (Materialien 5 bis 9) aus der Perspektive der ersten beiden Strophen des Gedichts „Checking Out Me History“ (= Material 10) des aus Jamaica stammenden Schriftstellers John Agard.
  6. *** REFLEX Erörtere, wie – deiner Ansicht nach – eine adäquate Darstellung der Jakobinerherrschaft in einem Schulbuch aussehen sollte. Beurteile in diesem Zusammenhang, ob eine Darstellung der Französischen Revolution und der Herrschaft der Jakobiner ohne Bezugnahme auf die Revolution auf Haiti sinnvoll ist.
  7. *** REFLEX A politician from Indo-China (now Vietnam) – who had fought against the French colonial power in order to gain independence in the 1950s – was asked what he thought of the French Revolution. His answer was: “It is too soon to tell.” Give an explanation for his answer.

 

Material 2: Verlauf der Französischen Revolution seit 1789

Die Vertreter des „dritten Stands“ erklären sich zur Nationalversammlung

 

Der König will die Nationalversammlung auflösen. Er befiehlt der Armee, gegen die Abgeordneten der Nationalversammlung vorzugehen.

Am 14. Juli 1789 kommt es zum „Sturm auf die Bastille“. Die Bastille war ein Gefängnis und ein Waffenarsenal. Teile der Pariser Bevölkerung bewaffneten sich. Sie stellen sich der Armee des Königs entgegen. Deshalb konnte der König sein Ziel nicht erreichen.

Die Nationalversammlung trat weiterhin zusammen und beschloss im August 1789 die -> „Erklärung der Menschen- und Staatsbürgerrechte“

 

Nationalversammlung beschließt eine Verfassung 

 

In der Verfassung werden die Grundrechte der StaatsbürgerInnen festgelgt. Die Grundrechte der Staatsbürger müssen von der Regierung respektiert werden. Ein Staat, der nach diesem Prinzip „funktioniert“, wird als -> Rechtsstaat bezeichnet.

 

Die Verfassung bestimmt auch, dass die folgenden „Gewalten“ voneinander getrennt sein sollen.

·       Legislative (Gesetzgebung = Parlament)

·       Exekutive (Regierung)

·       Rechtsprechung (unabhängige Gerichte)

Frankreich wird eine Republik

 

Die Machthaber in Preußen und in Österreich rechneten damit, dass auch in Berlin und in Wien eine demokratische Revolution wie in Frankreich beginnen könnte.

Sie wollten dem König von Frankreich dabei helfen, sich gegen die demokratischen Kräfte durchzusetzen.

Im Jahr 1792 begann ein Krieg zwischen Frankreich auf der einen Seite, und Österreich und Preußen auf der anderen Seite. Die französische Armee hatte anfangs wenig Erfolg in diesem Krieg. König Ludwig XVI. wurde von vielen dafür verantwortlich gemacht.

Im September 1792 rief die Nationalversammlung die Republik aus. Der König war damit entmachtet. Er wurde vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und im Jänner 1793 hingerichtet.

 

Regierung der Jakobiner

 

Diese Phase der Französischen Revolution wird von HistorikerInnen sehr verschieden beurteilt.

Neben dem Rechtsanwalt Robespierre spielte der im Juni 1793 ermordete Marat (-> Bild von David),  der Herausgeber des „Ami du peuple“, eine wichtige Rolle bei den Jakobinern. Während ihrer Regierung  wird die Sklaverei in den französischen Kolonien abgeschafft.

Ende der Jakobinerregierung („Thermidor“)

 

Im Juli wird die Regierung der Jakobiner gestürzt und Robespierre zum Tod verurteilt. Der Sturz der Jakobiner wird von manchen auch einfach als „Thermidor“ bezeichnet. „Thermidor“ war eigentlich der neue Name für den Monat Juli im neuen Revolutionskalender.

Der „Wohlfahrtsausschuss“ der Jakobiner wird ersetzt durch ein Direktorium, das in Frankreich regiert. Die Girondisten übernehmen die führende Rolle in der Regierung. Viele Girondisten waren Vertreter des wohlhabenden Großbürgertums (Händler, Manufakturbesitzer, Bankiers etc.).

Napoleon übernimmt die Macht

 

Napoleon war als Artilleriehauptmann im Krieg gegen Österreich und Preußen bekannt geworden, weil er in einigen Schlachten erfolgreich gewesen war.

1799 übernimmt Napoleon die Macht in Frankreich. Er stellte sich gegen die Kräfte, welche die Königsherrschaft wieder einführen wollten.

1804 führt Napoleon eine Volksabstimmung durch und lässt sich als Kaiser der Franzosen bestätigen.  Im „Code Napoleon“ werden wichtige „allgemein bürgerliche“ Gesetze gesammelt.

Material 3: The Haitian Revolution

The Haitian Revolution, was a successful anti-slavery and anti-colonial insurrection that took place in the former French colony of Saint Domingue that lasted from 1791 until 1804. It affected the institution of slavery throughout the Americas.

In 1789, there were half a million slaves working on plantations owned by French colonists and every year an average of 30,000 slaves were imported from Africa to Haiti alone. The slave-owners made huge profits by exporting sugar, coffee and tobacco produced by slave labour. Inspired by the French Revolution of 1789 and the declaration of the rights of men, slaves in French colonies in the West Indies demanded freedom.

By 1791, the most important development was the Haitian slave revolution led by Toussaint Louverture, a former slave. In 1793 the National Convention in Paris, led by Robespierre and the Jacobins (Jakobiner), endorsed the abolition of slavery in all the French colonies.

After the end of the Jacobins’ rule in France in 1794, Louverture declared Haiti’s independence. Thereafter, in 1802 Napoléon Bonaparte sent an expedition of more than 20,000 soldiers to regain control of the island and to re-establish slavery as well as the status of Haiti as a colony of France. The Haitians defeated the French troops in 1803, thus accomplishing the first ever successful slave revolution. France then withdrew its remaining troops from the island and Napoleon gave up his idea of re-establishing a North American empire. Haiti’s independence was proclaimed in 1804.

Material 4: The Declaration of the Rights of Man

 

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(mehr …)

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„Wie wird die Welt regiert und in den Krieg geführt? Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie’s lesen“, notierte der Wiener Schriftsteller Karl Kraus, nachdem auf eine Falschmeldung der deutschen und österreichischen Presse über einen französischen Bombenabwurf auf Nürnberg Ende Juli 1914 unmittelbar die Kriegserklärung an Frankreich erfolgt war.

 

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„Der Krieg ist eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“

Carl von Clausewitz (1780 -1831) – Deutscher General

 

„Mir führen einen heilingen Verteilungskrieg führn mir […] Und darum sage ich auch – es ist die Pflicht eines jedermann, der ein Mitbürger sein will, Schulter an Schulter sein Scherflein beizutragen. Dementsprechend! Da heißt es sich ein Beispiel nehmen, jawohl! Und darum sage ich auch – ein jeder von euch soll zusammenstehn wie ein Mann. Dass sie’s nur hören die Feinde, es is ein heilinger Verteilungskrieg, was mir führn. […] Die Sache, für die wir ausgezogen wurden ist eine gerechte, da gibt’s keine Würsteln, und darum sage ich auch: Serbien muss sterbien! Und a jeder Russ, an Schuss! Und a jeder Franzos, an Stoß! Und a jeder Brit, ein Tritt!“

Karl Kraus (1874 -1936)  – „Die letzten Tage der Menschheit“ (1. Akt, 1. Szene)

 

„Our [= 20th] century demonstrates that the victory of the ideals of justice and equality is always ephemeral (= kurzlebig, flüchtig), but also that, if we manage to preserve liberty, we can always start all over again …. There is no need to despair, even in the most desperate situations.“[1]

Leo Valiani (1909-1999) – Italian historian, politician and journalist

 

„Historians can’t answer this question. For me the twentieth century is only the ever-renewed effort to understand it.“[2]

Franco Venturi (1914 – 1994)  – Italian historian & member of the „Resitenza“ in Italy during WW2

 

[1] zitiert nach: Hobsbawm 1995, Seite 2

[2] zitiert nach: Hobsbawm 1995, Seite 2

Eric Hobsbawm: The Age of Extremes 1914 – 1991

Eric Hobsbawm (1917 – 2012) was a British historian of the rise of industrial capitalism, socialism and nationalism. His best-known works include The Age of Extremes 1914 -1991 on what he called „the short 20th century“ and his trilogy about what he called „the long 19th century“: The Age of Revolution: Europe 1789-1848, The Age of Capital: 1848-1914 and The Age of Empire: 1875-1914. He introduced the influential idea of „invented traditions.

The argument of this book […] begins with the First World War, which marked the breakdown of the (western) civilization. of the 19th century. This civilization was capitalist in its economy, liberal in its legal and constitutional structure, bourgeois in the image of its characteristic hegemonic class; glorying in the advance of science, knowledge and education, material and moral progress. [It was] profoundly convinced of the centrality of Europe, birthplace of the revolutions of sciences, arts, politics and industry, whose economy had penetrated, and whose soldiers had conquered and subjugated most of the world. European populations had grown until they had risen to form a third of the human race (including the vast and growing outflow of European emigrants and their descendants). European major states consisted the system of world politics.

The importance of the USA was growing though, becoming an “Empire of Trade” with its huge corporations like Rockefeller’s Standard Oil Company. The period up to the First World War had seen unchecked levels of industrialization and economic development. With Henry Ford’s invention of the production line (conveyer belt), production capacity rose to levels that the early industrialists could not dream of.

19th century Europe was the place and the period in history that had established the notion of „civilized warfare“ – written down in the Hague Conventions of 1899 and 1907 (Haager Konvention). According to an article on „war“ in the Encyclopedia Britannica of 1911, civilized warfare „is confined, as far as possible, to the disablement of the armed forces of the enemy; otherwise war would continue till one of the parties was exterminated.“ The First World War was started with the previous and explicit warnings issued by governments in the form of a „declaration of war“. It was the last war that ended with the formal treaty of peace negotiated between the belligerent states.

It was in World War I though, for the first time in modern history that the number of civilian casualties in war rose significantly compared with the number of military casualties. As early as 1921, the „Rules as to Bombardment by Aircraft“ admitted the „truth that air warfare has made such restrictions [according to the rules of “civilized warfare”] – aiming exclusively at military targets – obsolete and impossible.“ [1]

In the 19th century, the length of wars was measured in months or even in weeks, like the 1866 war between Prussia and Austria. The largest European war of the 19th century, the war between Prussia and France 1870/71, killed an estimated 150,000, although there was the American Civil War (1861-1865) with more than 700.000 dead soldiers. In the 20th century, the number of people killed in wars rose significantly, starting with 10 million dead soldiers and millions more mutilated and traumatized in World War I. The 20th century was, more than any other century in human, marked by war. It lived and thought in terms of war, even when the guns were silent and the bombs not exploding. After 1945, there was the common feeling of an ongoing „cold war“ with two superpowers developing ever more deadly nuclear weapons.

The First and the Second World War shook Europe within the period of around 30 years: 1914-1945. Both world wars were followed by waves of global rebellion and revolution. These revolutions brought to power communist parties aiming at ending capitalist economy (“private enterprise”), replacing it with a planned economy and the establishment of communism, first over one sixth of the world’s land surface (Soviet Union), and after the Second World War over one third of the globe’s population (Eastern and Central Europe, China). Communism claimed to be the historically predestined alternative to bourgeois society and capitalist economy. The huge colonial empires – the British and the French – built up in the latter half of the „long 19th century“, were shaken in World War I and II and finally crumbled in the 1950s and 1960s. The entire history of European colonial imperialism, so self-confident when Queen Victoria of Great Britain died in 1901, had lasted no longer than a single lifetime – say that of Winston Churchill (1874 – 1965).

It was the temporary and bizarre capitalist communist alliance of World War II that saved democracy in the 20th century. In the wake of the Great economic Depression in the 1930s, the institutions of liberal democracy virtually disappeared from all but a fringe of Europe and parts of America and Australia, as fascism and its satellite authoritarian regimes and dictatorships advanced. Only the temporary and bizarre alliance of liberal capitalism and communism in self-defence against this challenge by fascism saved democracy, for the victory over Hitler’s Germany was essentially won, and could only have been won, by the Red Army. The victory of the Soviet Union over Hitler was the achievement of the regime installed by the Russian October Revolution. A comparison of the performance of the Russian Tsarist economy and army in the First World War and the Soviet economy and the Red Army in the Second World War demonstrates this fact.

Had Hitler conquered the Soviet Union, he would have ruled a territory from the Atlantic to Wladiwostok. Without the Red Army, the Western states after the Second World War – outside of America and Australia – would probably have consisted of a set of variations on authoritarian and fascist regimes rather than a set of variations on liberal parliamentary ones. It is thus one of the ironies of the 20th century – the Age of Extremes – that the most lasting result of the October revolution, whose object was the global overthrow of capitalism, was to save its antagonist, both in war and in peace. It did so by providing capitalism with the incentive, fear, to reform itselves after the Second World War, with one result being systems of social security, another one economic reforms according to the Keynesian theory (-> Keynesianismus).

And yet, as we can see in retrospect, the strength of the global socialist/communist challenge to capitalism was that of the weakness of its opponent. Without the breakdown of 19th century bourgeois society as a result of World War I, there would probably have been no October revolution and no USSR. It was the Great Depression of the 1930s that made the USSR look like a realistic global alternative to the capitalist economy. And it was the challenge of fascism which made the USSR into the indispensable instrument of Hitler’s defeat, and therefore into one of the two superpowers whose confrontation dominated the second half of the 20th century.

These: Der Erste Weltkrieg ist ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte des 20. Jahrhunderts – und in weiterer Folge der Weltpolitik bis heute. Warum?

Im Ukraine-Konflikt erleben wir eine Frontstellung des „Westens“ – NATO, USA und EU – gegen Russland (und China), diese erinnert sehr an diejenige des Kalten Krieges, als sich der Westen (Mitliärbündnis NATO) in einer Konfrontation mit der Sowjetunion befand. Grundlage dieser historischen Ost-West-Konfrontation war die Konkurrenz zwischen Kapitalismus („freie Marktwirtschaft“) in den USA, Japan und Westeuropa und der staatssozialistischen Planwirtschaft ohne Privateigentum an Unternehmen in China, der Sowjetunion und dem Warschauer Pakt („Ostblock“).
Wie ist es zu dieser scheinbar selbstverständlichen Frontstellung Westen vs. Russland gekommen? Diese geht auf den Ersten Weltkrieg und die durch ihn verursachten epochalen Veränderungen zurück. Am Beginn des Ersten Weltkriegs stand eine Allianz aus Großbritannien, Frankreich und Russland – die Entente – den Mittelmächten Deutschland, Österreich-Ungarn und Osmanisches Reich gegenüber. Das ist heute anders – Warum?
Ohne den Ersten Weltkrieg hätte es keine Oktoberrevoluton 1917 in Russland gegeben: Der Erste Weltkrieg hat die Voraussetzungen für die Oktoberrevolution und damit die Etablierung eines „Staatssozialismus“ mit (bürokratischer) Planwirtschaft in der Sowjetunion geschaffen.
Ohne Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg hätte es keinen Aufstieg des Faschismus und Hitlers in Deutschland – und damit den Zweiten Weltkrieg in dieser Form – gegeben.
Ohne Ersten (und Zweiten) Weltkrieg hätte es keinen Aufstieg der USA – in dieser Art und Weise – zur ökonomischen, politischen und militärischen Weltmacht und den Sieg der USA gegen Japan gegeben.
Ohne kommunistische Sowjetunion hätte es keinen Sieg gegen das anti-kommunistische Projekt der faschistischen Weltherrschaft – angeführt vom Nationalsozialismus in Hitler-Deutschland – gegeben. Hätte Hitler die Sowjetunion 1941-42 besiegt, wäre er von den USA militärisch wahrscheinlich nicht mehr zu besiegen gewesen.
Ohne den Sieg der sowjetischen Roten Armee gegen die Wehrmacht (Wendepunkt im Februar 1943 in Stalingrad – heute Wolgograd), d.h. ohne Sieg der Sowjetunion gegen Hitler-Deutschland hätte es folglich keine Demokratie in Westeuropa als Resultat des 2. Weltkriegs gegeben.
Der Sieg Hitler-Deutschlands wäre nicht einfach nur ein Sieg Deutschlands gewesen, so wie der Erste Weltkrieg ein Sieg Frankreichs und Großbritanniens war. Der Sieg Hitler-Deutschlands gegen die Sowjetunion wäre ein Sieg des Faschismus in Europa und großen Teilen Asiens gewesen. Der Zweite Weltkrieg hätte dann wahrscheinlich mit der Etablierung einer faschistischen Weltmacht vom Atlantik bis Wladiwostok unter Führung Hitler-Deutschlands geendet. Statt dem Ost-Westkonflikt wäre eine Frontstellung einer deutsch-japanischen Allianz gegen die USA (und GB) als alternatives Ergebnis des Zweiten Weltkriegs möglich gewesen – so wie in George Orwells „1984“: Ozeanien gegen Eurasien.
Ohne Niederlage Hitler-Deutschlands und Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg hätte es keine Teilung Europas (Eiserner Vorhang) und Deutschlands (Berliner Mauer) nach 1WK_Bündnisse_KARTE1945 gegeben. Kurz: Ohne Erster Weltkrieg keine Berliner Mauer!
Ohne den Ersten Weltkrieg hätte es kein – so rasches – Ende der europäischen Kolonialreiche (Großbritannien und Frankreich) und keine Regierung der Kommunistischen Partei in China gegeben. Denn ohne den Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg hätte es nach 1945 wohl nicht im selben Maß erfolgreiche – und kommunistisch dominierte – Befreiungsbewegungen in Lateinamerika (z.B. Cuba), Asien (z.B. China, Vietnam) und Afrika gegeben.
Es handelt sich hier um (Hypo-)Thesen und nicht um naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Gesetzmäßigkeiten. Die Beschäftigung mit Geschichte sollte immer im Auge behalten, dass ebendiese Geschichte auch anders verlaufen hätte können, sowohl „positiver“, als auch „negativer“, je nach Sichtweise. Wäre es nicht so, dann hätte die Beschäftigung mit Geschichte viel weniger Sinn. Dann wäre die Geschichte bis zum heutigen Tag eine Entwicklung, die ohnehin so gekommen wäre, zu der es ohnehin keine Alternative gegeben hätte. Es hat in der Geschichte aber immer wieder Zeitpunkte gegeben, an denen es zu epochalen Veränderungen gekommen ist. Die These „Ohne den Ersten Weltkrieg hätte es keine Oktoberrevoluton 1917 in Russland gegeben“ bedeutet NICHT, dass der Sieg der Oktoberrevolution und der kommunistischen Partei in Russland im Ersten Weltkrieg naturgesetzmäßig eingetreten ist. Die Oktoberrevolution muss aus dem Ersten Weltkrieg heraus verstanden werden. Aber sie hätte auch in einer Niederlage enden können und die Weltgeschichte hätte einen anderen Verlauf genommen. Auf der anderen Seite hätte sich die Revolution aber auch von Russland aus auf das westliche Europa ausbreiten können, dann hätte die Weltgeschichte wiederum einen anderen Verlauf genommen – vermutlich kein Hitler-Deutschland und keinen Zweiten Weltkrieg, jedenfalls nicht in derselben Konstellation. Das sind dann schon drei potenziell grundlegend unterschiedliche Verläufe der Weltgeschichte, je nachdem, was im Ersten Weltkrieg passiert ist bzw. wäre.

Der Erste Weltkrieg in Zahlen
10 Millionen getötete Soldaten
13 Millionen getötete Zivilisten
1,2 Millionen der 7,8 Millionen Soldaten der k.u.k. Monrachie getötet
3,6 Millionen der 7,8 Millionen Soldaten der k.u.k. Monrachie Krieg verwundet
1,5 Millionen abgefeuerte britische Granaten in der Woche vor der Somme-Offensive am 1. Juli 1916
225.000 abgefeuerte britische Granaten in 60 Minuten am Beginn der Somme-Offensive am 1. Juli 1916
90 Mrd. Kronen Kriegsausgaben der k.u.k. Monarchie zwischen 1914-1918
100.000 Giftgastote (Senfgas und Phosgengas); 1,2 Mio. durch Giftgas verletzt

 

Ein zweiter 30-jähriger Krieg?
Einige Historiker sprechen inzwischen im Zusammenhang mit den beiden Weltkriegen von einem – zweiten – Dreißigjährigen Krieg. Beim ersten 30-jährigen Krieg von 1618 bis 1648 hatte es sich um eine Konfrontation von verschiedenen religiösen Richtungen gehandelt, dieser Konflikt war allerdings untrennbar mit dem Kampf um die militärische, wirtschaftliche und politische Hegemonie (= Vorherrschaft) in Europa verknüpft, wobei sich auch damals zwei Bündnisse, die katholische Liga und die protestantische Union, gegenüber standen. Zuletzt war die Auseinandersetzung im 30-jährigen Krieg – in manchen Regionen – auch mit dem Kampf um nationale Unabhängigkeit verknüpft. Der zweite 30-jährige Krieg dauerte zwar ein Jahr länger, von 1914 bis 1945, und es war auch kein Religionskrieg. Es war allerdings ebenfalls ein Krieg, bei dem die militärische, politische und wirtschaftliche Hegemonie (= Vorrangstellung) auf dem Spiel stand. Es standen sich ebenso zwei Bündnisse gegenüber. An die Stelle der religiösen Differenzen war im 20. Jahrhundert die ideologische Auseinandersetzung getreten. Mit ideologischen Gegensätzen sind unterschiedliche, einander bekämpfende politische und gesellschaftliche Weltanschauungen gemeint. Die Frage der nationalen Unabhängigkeit war im zweiten 30-jährigen Krieg ebenfalls von großer Bedeutung, sei es in Irland, im vom Zarenreich beherrschten Polen oder in Österreich-Ungarn, wo Tschechen und Slowaken ebenso wie Slowenen und Kroaten nach nationaler Selbstbestimmung und staatlicher Unabhängigkeit strebten.
schlafwandler?Dicke Bertha - Serienreif produziert seit Frühjahr 1914

Sind die Regierungen in Europa versehentlich, wie Schlafwandler, in den Weltkrieg gestolpert, obwohl sie gar keinen Krieg wollten?
Ein jüngst erschienenes Buch des Historikers Christopher Clark vertritt die These, dass die europäischen Regierungen wie „Schlafwandler“ in den Krieg stolperten. Durch die Metapher des Schlwafwandlers gerät leicht Tatsache aus den Augen, dass die europäischen „Schlafwandler“ jahrzehntelang – in wachem Zustand – eine Politik des Nationalismus, der imperialistischen Expansion und des militaristischen Wettrüstens betrieben haben. Auch wenn es für die Bevölkerung Afrikas vielfach zu einem Albtraum wurde, so sind die europäischen Mächte in den Jahrzehnten vor dem 1. Weltkrieg dennoch nicht im Schlaf nach Afrika gestolpert und haben dabei den ganzen Kontinent erobert.
Schwer vorstellbar weiters, dass die europäischen Regierungen schlafend das Wettrüsten betrieben haben. Die Regierungen haben jedenfalls nicht verschlafen, rechtzeitig die Aufträge zum Bau immer neuer Kriegsschiffe und immer neuer und immer größerer Artilleriewaffen zu erteilen. Spätestens im März 1914, nach der Fertigstellung der neuen deutschen „Wunderwaffe“, der 150 Tonnen schweren Artilleriewaffe „Dicke Bertha“, war die deutsche Regierung ausgeschlafen und gefechtsbereit.

SARAJEVO UND DER KRIEGSAUSBRUCH: Verursachte das Attentat von Sarajevo den „Ausbruch“ des Ersten Weltkriegs?

„Als Ich nach drei Jahrzehnten segensvoller Friedensarbeit in Bosnien und der Hercegovina Meine Herrscherrechte auf diese Länder erstreckte, hat diese Meine Verfügung im Königreiche Serbien, dessen Rechte in keiner Weise verletzt wurden, Ausbrüche zügelloser Leidenschaft und erbittertsten Hasses hervorgerufen. Meine Regierung hat damals von dem schönen Vorrechte des Stärkeren Gebrauch gemacht und in äußerster Nachsicht und Milde von Serbien nur die Herabsetzung seines Heeres auf den Friedensstand und das Versprechen verlangt, in Hinkunft die Bahn des Friedens und der Freundschaft zu gehen.“
Kaiser Franz Joseph in seiner Erklärung „An meine Völker“ vom Juli 1914

1WK_Franz_Joseph_1910„Denn die Schüsse von Sarajevo setzen im Epochenjahr 1914 einen Mechanismus in Gang, der die europäischen Mächte in den grausamsten Krieg stürzt, den die Menschheit bis dahin erlebt hat.“ So wird der „Ausbruch“ des Ersten Weltkriegs in einer GEO-Spezial-Dokumentation erklärt. Die in Gang gesetzten „Mechanismen“ legen die Vorstellung nahe, dass die Menschen, egal ob Regierungschef oder einfacher Staatsbürger, machtlos waren. Der Ausbruch des Krieges wird damit in die Nähe eines Vulkanausbruchs oder einer anderen Naturkatastrophe gerückt.
Wieso zieht aber nicht jedes Attentat einen Krieg mit mehreren Millionen Toten nach sich? Oder warum war nicht das Attentat vom 31. Juli 1914 auf den französischen Kriegsgegner und sozialistischen Parteichef Jean Jaurès die „Ursache“ für den Ausbruch des Weltkrieges? Mit den „Schüssen von Sarajevo“, die den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin töteten, und die vom serbischen Nationalisten Gavrilo Princip abgegeben worden waren, rückt auf jeden Fall die Verantwortung der Regierung von Österreich-Ungarn mit ihrer Kriegserklärung an Serbien aus dem Blickfeld. Aus dem Blickfeld rückt übrigens auch die Tatsache, dass der Attentäter Cabrinovic, der zuerst erfolglos eine Bombe auf das Fahrzeug geworfen hatte, österreichischer Staatsbürger war. Aus dem Blickfeld rückt weiters die Tatsache, dass die österreichische Polizei in Sarajevo so nachlässig bei den Sicherheitsvorkehrungen für die Fahrt durch die Stadt gewesen war.
Wenn im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs das Attentat von Sarajevo einen prominenten Platz einnimmt, dann müsste zumindestens hinzugefügt werden, dass Sarajevo die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina war (und bis heute ist), die Hauptstadt von dem Land also, das im Jahr 1908 völkerrechtswidrig von Österreich-Ungarn annektiert (angegliedert) worden war. Dieser Umgang mit Brüchen des Völkerrechts lässt sich bis in die jüngste Vergangenheit beobachten: Völkerrechtsbrüche werden in der Regel zwar beim „bösen Feind“ wahrgenommen, aktuell bei Russlands Annexion der Krim im Frühjahr 2014. Die „eigenen“ Völkerrechtsbrüche (z.B. der NATO-Krieg gegen Jugoslawien 1999) und Eroberungskriege (Afghanistan, Irak) werden nicht als solche benannt, sondern sind z.B. „friedenserhaltende Maßnahmen“ oder sogenannte „Präventivschläge“, also „vorbeugende Maßnahmen“ gegen den Terrorismus.
In dem etwa zu gleichen Teilen von Moslems sowie von katholischen Kroaten und orthodoxen Serben – sowie einer jüdischen Minderheit – bewohnten Bosnien-Herzegowina (Hauptstadt Sarajevo) hatte es schon jahrelangen Widerstand gegen die einheimischen Feudalherren und Adeligen sowie die mit ihnen verbündeten Habsburger gegeben. Es war jedenfalls die Regierung von Österreich-Ungarn, die „von dem schönen Vorrechte des Stärkeren Gebrauch gemacht“ und in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg eine Politik der Expansion auf dem Balkan verfolgt hat, mit dem Ziel, den Einfluss Russlands und seines Verbündeten Serbien, zurückzudrängen. Wer von dem „schönen Vorrecht des Stärkeren“ gebrauch macht, das kann man aktuell im Zusammenhang mit dem westlichen Engagement in der Ukraine auch sehr gut beobachten, sollte sich auf die Ausbrüche „erbittertsten Hasses“ gefasst machen, ob ihm das als „Stärkerem“ passt oder nicht. Als Reaktion auf die Expansionspolitik der Habsburger erhielten Bewegungen für das Selbstbestimmungsrecht der nicht-deutschsprachigen Völker auf dem Balkan Zulauf. Dazu zählte der serbische Nationalismus ebenso wie der sogenannte „Panslawismus“, der einen Zusammenschluss der slawisch-sprachigen osteuropäischen Völker unter Führung Russlands anstrebte. Der von der österreichischen Regierung nicht ungern gesehene anti-serbische Chauvinismus erreichte in der Parole „Serbien muss sterbien“ einen prägnanten und von Karl Kraus in seinem Werk „Die letzten Tage der Menschheit“ literarisch verarbeiteten Ausdruck.
In der Dokumentation von Andreas Novak „Kaiser Franz Joseph und der Erste Weltkrieg“ wird dargestellt, dass einflussreiche Mitglieder der k.u.k. Regierung – z.B. der Außenminister Graf Berchthold und der Ministerpräsident Graf Stürgkh – um jeden Preis einen Krieg gegen Serbien führen wollten und nur auf eine passende Gelegenheit warteten. Deshalb wurde der Regierung von Serbien ein Ultimatum gestellt, das mehrere Punkte enthielt, welche die Souveränität Serbiens verletzten. Dennoch wurde das Ultimatum bis auf einen Punkt akzeptiert. Der eine Punkt war: Österreichische Polizeibeamte sollten auf dem Staatsgebiet von Serbien völlig freie Hand erhalten – sprich z.B. Verhaftungen 1WK_Wilhelm_II_of_Germanydurchführen – etwas, was heute selbst innerhalb der EU nicht möglich wäre. „Damit fällt jeder Kriegsgrund fort“, meinte der deutsche Kaiser Wilhelm. Die überwältigende Zustimmung der serbischen Regierung zu den Punkten des Ultimatums stellte also selbst für die deutsche Regierung keinen ausreichenden „Grund“ dar, um Serbien den Krieg zu erklären. Selbst ein österreichischer Regierungsberater, Graf Tisza, meinte in einem Schreiben an den Kaiser Franz Joseph, dass ein Angriff auf Serbien ein „verhängnisvoller Fehler“ wäre, da „wir bisher keine genügenden Anhaltspunkte haben, um Serbien verantwortlich machen zu können.“ Bei Leuten, die sich mit der an „verhängnisvollen Fehlern“ reichen Geschichte Österreichs nicht kritisch auseinandersetzen wollen, ist die Erklärung des Kriegsausbruchs durch die „serbischen“ Schüsse von Sarajevo gerade deshalb so populär.
Die österreichische Regierung erfand einen Angriff der serbischen Armee auf die Truppen der österreichischen Monarchie und verbreitete diese Falschinformation. Dieser Überfall der serbischen Armee hat in Wirklichkeit nie stattgefunden. Interessant ist dabei insbesondere die Tatsache, dass diese Falschmeldung durch die österreichische Regierung heute so gut wie unbekannt ist. Aber gerade deshalb spricht der aufgebrachte Wiener im August 1914 in „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus davon, dass es sich um einen „heilingen Verteilungskrieg“ von Österreich-Ungarn handelt.
Erfundene Überfälle zählen inzwischen allerdings zum Standardrepertoire, wenn es darum geht, den Beginn eines Angriffskrieges zu rechtfertigen. Und wenn es keinen feindlichen Überfall gibt, dann wird zumindest die – mehr oder weniger reale Aggression von außen betont. Auch gegenwärtig sieht sich der „Westen“ und die NATO einer aggressiven Bedrohung durch Putins Russland ausgesetzt, ist selbst aber komplett friedfertig und möchte nur das Beste für die Ukraine – sie z.B. zu einem Mitglied der NATO machen. NATO-Generalsekretär Rasmussen rät inzwischen dringend zu einer Erhöhung der Rüstungsausgaben der NATO-Mitglieder.
Warum verhielt sich die italienische Regierung bei Kriegsbeginn neutral? Im Gegensatz zur Regierung von Italien wurde die deutsche Regierung von den österreichischen Kriegsabsichten informiert. Die Regierung des ursprünglich mit den Mittelmächten verbündeten Italien hingegen wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Nachdem Italien von Österreich nicht über den Beschluss, Serbien anzugreifen, informiert worden war, erklärte die italienische Regierung, dass keine Bündnispflicht bestehe. Der wesentlich wichtigere Grund war jedoch die Tatsache, dass sich in Italien nicht nur die Sozialisten, sondern auch die Liberalen – die im Parlament einflussreichste Partei – gegen einen Kriegseintritt ausgesprochen hatten. Während sich in anderen Ländern schon seit 1915 die Stimmen gegen den Krieg vermehrten, passierte in Italien das umgekehrte. Niemand geringerer als der Begründer des Faschismus, Benito Mussolini, der bisherige Sozialist und spätere Führer der bewaffneten, rechts-extremen „fasci di combattimento“, gründete 1915 eine eigene Zeitung, die für den Kriegseintritt warb. Im Mai 1915 erklärte der italienische König gegen den Willen der Parlamentsmehrheit, also in einer Art Staatsstreich, den Eintritt in Italiens in den Krieg auf Seiten der Entente, nachdem diese Italien Gebietszuwächse, z.B. die Brennergrenze und Istrien, auf Kosten von Österreich-Ungarn versprochen hatte.

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>> Link zu Prezi „The Russian Revolution 1917“

>> Link zu Prezi „Stalinism and the USSR“

>> Link zum Quiz über „Die Russische Revolution und die UdSSR“

>> The Russian Revolution – Übersicht als PDF-Datei

>> Unterschiedliche Darstellungen vergleichen: Die Russische Revolution und die Sowjetunion als PDF

„Reds“ – Ein Spielfilm mit Warren Beatty, Diane Keaton und Jack Nicholson über den US-amerikanischen Sozialisten John Reed und seine Reise nach Russland nach dem Ausbruch der Revolution 1917:

http://www.youtube.com/watch?v=tOuFo0ZZh2U

Hier eine 5-minütige (!) Dokumentation, die sich mit Kritikpunkten an der Russischen Revolution auseinandersetzt und deren Titel „Busting the Scare Stories“ schon eindeutig Position bezieht:

Im folgenden eine Dokumentation über „Aufstieg und Fall“ des Revolutionärs Leo Trotzki, mit Schwerpunkt auf der russischen Revolution und die Entwicklung der Sowjetunion unter Stalin. Die Doku wurde vom Sender ARTE mitproduziert.

The same documentary produced by ARTE on Trotsky, the Russian Revolution and the USSR in English:

Fraternization between German and Russian soldiers on the Eastern FrontFraternization between Russian and German soldiers on the Eastern Front

The February Fevolution took place in the context of heavy military setbacks during the First World War (1914–18), which left much of the Russian army in a state of mutiny. By February 1917, around 2.5 Million Russian soldiers had lost their lives on the battlefield, millions more were injured. Reports of fraternization between Russian and German soldiers circulated.

Workers, many of them women who had replaced male workers, went hungry, lacked shoes and clothes. For International Women’s Day (March 8th = February 23rd), workers went on strike in virtually every industrial enterprise in Petrograd and demonstrations were organized to demand bread. When Tsar Nicholas II ordered the army to suppress the demonstrations, troops began to mutiny and soldiers joined the workers‘ demonstrations.

Tsar Nicholas was forced to step down and the old regime was replaced by a provisional government with Ministers from liberal parties. Male Soldiers marching through Petrograd in support of the Revolutionand female workers and peasants as well as soldiers elected their own workers‘, peasants‘ and soldiers‘ councils, called “Soviets” in Russian.  A period of dual power ensued, during which the provisional government held state power while the Soviets started arming workers‘ militias and Red Guards that, in many cities, replaced the old police force.

Although many soldiers were not willing to continue fighting in the war, the provisional government chose to continue the war on the side of the Entente. As a result, over the course of spring and summer 1917, public dissatisfaction with the government and the war grew.

The Bolsheviks, a radical, revolutionary faction of the Social Democratic Party, were campaigning for „Peace, Bread and Land“. When the leader of the Bolsheviks, Vladimir Ilyich Lenin, arrived in Russia from his exile in Switzerland in April 1917, he called for turning over all power to the Soviets.

russ_revolution_petrograd_soviet

The moderate Social Democrats were opposed to overthrowing the provisional government.  The moderate Social Democrats had held the majority in most Soviets in the beginning. But the support for the Bolsheviks in the workers‘ and soldiers‘ councils increased steadily.

By September 1917, the Bolsheviks were in the majority in the workers‘ and soldiers‘ councils in Petrograd and Moscow. In the country-side it was Lenin speaking at a rally in Petrogradthe Social-Revolutionary Party („Narodniki“) who had the most support from the peasants‘. Also, a growing number of Social-Revolutionaries joined sides with the Bolsheviks in their call for turning all power over to the Soviets.

On 7 November 1917 (= 25 October),  Red Guard forces led by Leon Trotsky were successful in taking over government buildings and storming the Winter Palace, the seat of the Provisional government in Petrograd. As there were only few soldiers left who were willing to fight for the government, the take-over resulted in only a few casualties

The October Revolution ended the power of the Provisional Government. Power was taken over by the Congress of Workers‘, Soldiers‘, and Peasants‘ Deputies (= Soviets). The Congress passed a series of revolutionary decrees, starting with the decree on land, passed on 26 OctoberPro-Tsarist forces, supported by the governments of France, Great Britain, the U.S. and Japan, organized into the White Army and went to war against the Soviets‘ Red Army.Russ_Revolution_Trotzki_Rote_Armee

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Eine größere Gruppe von Venezolaner_innen versammelt sich, um von Hugo Chavez Anschied zu nehmen.Am 5. März 2013 ist der „commandante presidente“ Hugo Chavez gestorben. Mit seinem Namen war spätestens seit seiner Wahl im Jahr 1998 zum Präsidenten von Venezuela ganz Unterschiedliches verbunden: Manche sahen in ihm trotz der Tatsache, dass er mehrmals in Wahlen zum Präsidentenamt gegen Oppositionskandidaten erfolgreich geblieben war, einen „sozialistischen Diktator“. Für andere war er der Proponent einer demokratischen und sozialen Veränderung, die als „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ benannt wurde.

Hier der >>> Venezuela-Report  des Centers for Economic and Policy Research aus Washington D.C. über die ersten zehn Jahre der Präsidentschaft von Hugo Chavez als PDF zum Download.

In der folgenden Dokumentation >>> Venezuela from Below (2004) werden die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in Venezuela aus der Sichtweise der Armen, der in den meisten Medien Unsichtbaren, untersucht.

Die Dokumentation >>> South of the Border (2009) von Oliver Stone gibt einen Überblick über die politische Entwicklung in Lateinamerika, nicht nur in Venezuela, sondern auch in Bolivien, Argentinien, Paraguay, Brasilien und Ecuador, also einer wachsenden Zahl von Ländern, die sich bei der US-amerikanischen Außenpolitik in den letzten Jahren mehr oder weniger unbeliebt gemacht haben.

Ein irisches Filmteam hat seine Eindrücke über Venezuela in der  Dokumentation >>> The revolution will not be televised veröffentlicht.

>>> Aufgaben zu den 12 Artikeln der Bauern und Thomas Müntzer als PDF

>>> Der Bauernkrieg und die Reformation als PDF

>>> Bauernkriege und die Reformation – Der Link zum QUIZ

>>> LINK zu „Thomas Müntzer und der Kampf der Bauern“ – Dokumentation aus der Reihe „Die Deutschen“ (Dauer 43 Minunten)

>>> TRUE-FALSE zur ZDF-Dokumentation über „Thomas Müntzer und der Kampf der Bauern“ als PDF

>> Mind-map zum Bauernkrieg im 16. Jahrhundert als PDF

Für die Landbevölkerung in Deutschland und anderen Gegenden in Europa hatte sich durch die Entdeckung Amerikas nicht viel zum Besseren verändert. Die meisten Bauern waren weiter ihren Grundherren hörig oder leibeigen. Die kirchlichen und weltlichen Grundherren verlangten von den Bauern immer mehr Frondienste. Viele Grundherren entzogen den Bauern alte Rechte (Fischfang, Holz schlagen im Gemeindewald) und versuchten, die ehemals für alle Bauern einer Gemeinde nutzbare Allmende zu „privatisieren“ Die Abgaben sollten die Bauern auch in Geld statt in Naturalien leisten, was nach Ansicht der Bauern gegen die heilige Schrift verstieß. Nach dem Tod eines Bauern mussten die Hinterbliebenen des Verstorbenen die Hälfte des Besitzes an den Grundherren abtreten. Dieser sogenannte „Todfall“ wurde von den Bauern als untragbare Belastung empfunden. Hörige Bauern, die ihre Abgaben nicht mehr leisten konnten, wurden zu Leibeigenen ihres Grundherren. In vielen Fällen waren die Grundherren kirchliche Einrichtungen wie Klöster oder Bischöfe.

Luthers Auftreten gegen die Zustände in der katholischen Kirche auf dem Reichstag in Worms 1521 war für viele Bauern in Deutschland ein Signal, für eine Verbesserung ihrer Lage zu kämpfen. Ihre wichtigsten Forderungen fassten die Bauern im Jahr 1525  in den 12 Artikeln zusammen. Den adeligen Herrschern, die nicht bereit waren, den Forderungen der Bauern entgegen zu kommen, wurde der Kampf angesagt. Während Martin Luther schließlich den Kampf der Bauern ablehnte, wurde der Priester Thomas Müntzer zum wichtigsten Sprachrohr der bäuerlichen Forderungen nach einer gerechteren Gesellschaft.

Luther sprach sich anfangs auch gegen die Ausbeutung der Bauern aus, um damit den Luxus des Papstes und der Kirche zu finanzieren. Insbesondere kritisierte Luther die Vorstellung, dass man gegen eine Geldzahlung an die Kirche (Ablassbriefe) die Vergebung der Sünden erlangen könne. Für ihn hatten gute Werke oder gutes Handeln insgesamt eine weniger große Bedeutung für das Seelenheil. Stattdessen erlangte die Gnade Gottes einen größeren Stellenwert. Nachdem Luther vom Kurfürsten von Sachsen – nach seinem Auftritt beim Reichstag in Worms – auf der Wartburg versteckt worden war, übersetzte Martin Luther in seinem Versteck die Heilige Schrift ins Deutsche. Dabei bemühte er sich darum, den Leuten „auf’s Maul zu schauen“, d.h. um eine Sprache, die die Menschen wirklich verstanden. Die Übersetzung der Bibel war ein wesentlicher Beitrag zur Entstehung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache. Die deutsche Übersetzung der Bibel machte es den Bauern möglich, nachzuprüfen, was in der Heiligen Schrift tatsächlich geschrieben steht. Damit hatten die Bauern auch die Möglichkeit, sich auf Stellen in der Heiligen Schrift zu beziehen, um ihre Forderungen zu rechtfertigen.

KARTE des Bauernkriegs im 16. JahrhundertThomas Müntzer war anfänglich auch ein Anhänger der Erneuerungsbewegung von Martin Luther. Ebenso wie Luther sprach sich Müntzer gegen das Zölibat aus und war für das Recht der Priester, eine Frau zu heiraten. Er war ebenfalls in Sachsen tätig, allerdings wechselte er öfters den Ort seines Wirkens. Ersmals gelangte er als Priester in Zwickau (Sachsen) in den Jahren 1520-1521 zu Bekanntheit.  Thomas Müntzer schätzte besonders die prophetischen Bücher der Bibel wie die Offenbarung des Johannes. Seine visionäre Auslegung der apokalyptischen Bibelteile führten ihn unter anderem dazu, in der mit Purpur bekleideten Hure Babylons (Offenbarung 17,4) die römisch-katholische Kirche zu sehen. In der Fürstenpredigt deutete Müntzer seine Zeit als das fünfte Reich, das ebenfalls – wie das Reich der Babylonier und der Römer, aus Eisen besteht, weil es Arme und Unschuldige unterdrückt. Er erinnerte die Christen daran, dass Jesus in einem Viehstall geboren worden sei. Jesus stehe deshalb auf Seiten der Armen und Unterdrückten. Diejenigen, die sich in Pelzmänteln kleiden und auf Seidenkissen sitzen, sind  – wörtlich – „Christo ein Greuel“.Thomas Müntzer meinte, dass die adeligen Herrscher mit ihrem Schwert entweder die göttliche Gerechtigkeit verwirklichen müssten oder, wenn sie dazu nicht in der Lage sind, dann wäre ihre Herrschaft nicht von göttlichem Ursprung und deshalb nicht legitim (gerechtfertigt). Gott dulde jedenfalls keine Tyrannei, sondern verheiße (= verspreche) allen Menschen Freiheit und Gleichheit.

Schon in den Jahrzehnten vor dem eigentlichen Bauernkrieg im Jahr 1525 hatte es im deutschsprachigen Raum zahlreiche Bewegungen der Bauern und der ärmeren Bevölkerung der Städte gegeben, so z.B. den sogenannten „Bundschuh“ sowie die Bewegung des „Armen Konrad“. Der Umbau von Klöstern und Kirchen im gotischen Stil kostete viel Geld, was die kirchlichen Grundherren durch höhere Abgaben von den Bauern zu bekommen hofften. Die Untertanen des Abtes von St. Gallen (Schweiz) verwüsteten im Juli 1489 einen fast fertigen Neubau eines Klosters in Rorschach am Bodensee (Schweiz), um gegen die überbordende Repräsentationslust der Kirche zu protestieren, die aus ihren Abgaben finanziert wurde. Im Jahr 1524 erreichen die Konflikte zwischen Bauern und Grundherren erstmals einen Höhepunkt. In diesem Jahr kam es besonders im südwestlichen Teil des Reichs, im Gebiet zwischen Schwarzwald und Bodensee, zu zahlreichen Fällen der Abgabenverweigerung durch Bauern. Dort begannen die Bauern auch damit, sich in „Haufen“ zu organisieren, wobei ihnen erfahrene Landsknechte als militärische Anführer zur Seite standen.

Eine Vielzahl von Priestern, nicht nur Thomas Müntzer, soldarisierten sich mit den Bauern und ihren Forderungen. Sie predigten das „reine Evangelium“ in der Sprache der Bauern und nicht, dass die Bauern der Obrigkeit bedingunglosen Gehorsam schuldig seien. Nicht zuletzt ermuntert durch Thomas Müntzer und andere Erneuerer in der Kirche forderten die Bauern Freiheit. Damit meinten sie die Abschaffung der Leibeigenschaft und eine Verringerung der  Frondienste. Die Bauern forderten auch im ersten ihrer 12 Artikel, dass die Gemeinde ihren Pfarrer selber wählen können sollte, damit dieser für sie das „reine Evangelium“ predigt und nicht die Rechtmäßigkeit der adeligen Abgaben predigt. Im Frühjahr 1525 wurden mehr als hundert Beschwerden über Zwangsarbeit und andere Missstände von Bauern zusammengetragen und als Sammelklage gegen die Adeligen vor Gericht eingebracht. Da die Gerichte aber oftmals im Sinne der Grundherren entschieden und auch althergebrachte Rechte der Bauern nicht mehr erfolgreich vor Gericht eingefordert werden konnten, trafen sich am 6. März 1525 in Memmingen (im südwestlichen Bayern) Vertreter des Allgäuer Haufens, des Bodensee-Haufens und anderer süddeutscher Bauernverbände, um sich zu beraten. Ergebnis der Verhandlungen waren die die Zwölf Artikel. Darin forderten die Bauern, dass die Willkür der grundherrlichen Gerichte beendet werden müsse, weiters die Abschaffung der Erbschaftssteuer („Todfall“) in der Höhe der Hälfte des bäuerlichen Besitzes. Auch die Frage der Frondienste spielte eine wichtige Rolle. Diese wurden willkürlich von den Grunherren in immer höherem Ausmaß eingefordert. Die Bauern forderten, dass die Frondienste nicht einseitig von den Grundherren erhöht werden dürfen. Die Leibeigenschaft sollte ersatzlos abgeschafft werden (= Forderung nach Freiheit). Die Allmende (= Gemeindewiesen und Äcker) soll allen Bauern gemeinsam zur Verfügung stehen und sie soll nicht von den Grundherren „privatisiert“ werden. Der Begriff „Privatisierung“ ist zwar modern und wurde so von den Bauern nicht verwendet. „Privatisierung“ beschreibt allerdings sehr gut, was die Grundherren mit der Allmende machten, nämlich sie aus den Händen der bäuerlichen Gemeinden in ihr privates Eigentum zu überführen und den Bauern den Zugang zur Allmende zu verwehren. Konkret forderten die Bauern die Entnahme von Holz aus den Gemeindewäldern (Bauholz, Brennholz) sowie das Jadrecht und das Recht auf Fischfang.

Die Aufstände dehnten sich im Frühjahr 1525 über weite Gebiete des Deutschen Reichs aus. Im süddeutschen Raum erhoben sich die Bauern zwischen dem Elsass (Rhein), dem Schwarzwald, der heutigen Schweiz und Bayern. Nach Norden dehnte sich der Bauernkrieg im Frühjahr 1525 bis zum Main, nach Thüringen und nach Sachsen aus. Die Bauern belagerten Burgen und Klöster der Grundherren und forderten von diesen die Annahme der 12 Artikel. Wenn sich die Adeligen weigerten, griffen sie Burgen und Klöster an, um sie zu erobern und die Annahme der 12 Artikel zu erzwingen. Thomas Müntzer hatte ebenfalls bereits erkannt, dass die Adeligen und Fürsten nicht bereit waren, für eine gerechte Gesellschaft zu sorgen, er stellte sich an die Spitze der revoltierenden Bauern. Deshalb hatte er schon im Jahr 1524 die Stadt Allstedt verlassen müssen. In Frankenhausen in Thüringen kam es im Mai 1525 zu einer großen Schlacht zwischen Bauernverbänden und den Armeen der adeligen Landesherren und des Kaisers. Diese Schlacht endete so wie auch andere mit einer militärischen Niederlage der Bauern, die gegen die mit Feuerwaffen und Kanonen schwer bewaffneten Söldnerheere der Landesfürsten sowie des Kaisers Karl V. unterlegen waren. Es folgten zahlreiche Hinrichtungen von Bauern, die sich dem Aufstand angeschlossen oder ihn unterstützt hatten, zehntausende verloren ihr Leben. Ein Pfarrer aus der Schweiz meinte, dass innerhalb eines Jahres noch nie „soviel Christenblut vergossen“ worden sei „durch den Henker“.

Nachdem sich die Bauern in Österreich im Jahr 1525 nicht erhoben hatten, kam es im Jahr 1526 in Tirol, Salzburg und in Oberösterreich ebenfalls zu Bauernerhebungen. Die Aufstände der Bauern waren in erster Linie von ihren zeitgenössischen Gegnern als „Bauernkrieg“ bezeichnet worden. Inzwischen hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass es sich beim Bauernkrieg um die erste Revolution auf dem Gebiet des heutigen Deutschland (und Österreich) handelt. Dabei werden vor allem die Forderungen nach Grundrechten gegenüber der Willkür der Grundherren und Landesherren als ein Vorläufer der demokratischen Forderungen nach einer Verfassung im 18. und 19. Jahrhundert gesehen. Historiker haben deshalb die alternative Bezeichnung „Revolution des gemeinen Mannes“ vorgeschlagen.

Im 19. Jahrhundert galt Thomas Müntzer bei vielen Historikern als ein fanatischer „Mordprophet“, der Bauernkrieg war ein negatives Ereignis, das „glücklicherweise“ gescheitert sei. Im Laufe des 20. Jahrhunderts sahen immer mehr Historiker in Thomas Müntzer den ersten demokratischen Fürsprecher für Freiheit und Gleichheit in Deutschland und den Bauernkrieg als eine „frühbürgerliche Revolution“.  Die Ansicht, dass es sich beim Bauernkrieg um die erste Revolution auf dem Gebiet des heutigen Deutschland (und Österreich) handelte, hat sich heute durchgesetzt. Dabei werden vor allem die Forderungen nach Grundrechten gegenüber der Willkür der Grundherren und Landesherren als ein Vorläufer der demokratischen Forderungen nach einer Verfassung im 18. und 19. Jahrhundert gesehen. Die Aufstände der Bauern waren in erster Linie von ihren zeitgenössischen Gegnern als „Bauernkrieg“ bezeichnet worden. Historiker haben deshalb die alternative Bezeichnung „Revolution des gemeinen Mannes“ vorgeschlagen.

Bis ins 20. Jahrhundert herrschte die Auffassung, dass die „Revolution des gemeinen Mannes“ in einer vollständigen Niederlage für die Bauern geendet habe. Inzwischen wurde durch historische Forschungen herausgefunden, dass es auch einige Verbesserungen für Bauern gegeben hat. Im süddeutschen Raum wurden die erdrückend hohen Erbschaftssteuern verringert und das Recht auf freie Heirat gewährt.