Unterschiedliche Darstellungen vergleichen: Die Französische Revolution & die Amerikanische Revolution

Veröffentlicht: 31. Juli 2015 in Gewaltenteilung, Oberstufe, Verfassung
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UNTERSCHIEDLICHE DARSTELLUNGEN ZUM SELBEN THEMA VERGLEICHEN

AUFGABEN

  1. REPRO Schildere knapp den Verlauf der Französischen Revolution seit 1789.
  2. TRANS Vergleiche die Schulbuchdarstellung der Jakobinerregierung in Material 5 mit derjenigen in Material 6.
  3. REPRO Fasse die in den Materialien 7, 8 & 9 getroffenen Einschätzungen der Französischen Revolution zusammen und berücksichtige dabei  insbesondere die Einschätzung der Jakobinerherrschaft.
  4. ** REFLEX Erörtere mögliche ideologische oder weltanschauliche Hintergründe, die für die unterschiedlichen Darstellungen verantwortlich sein könnten.
  5. **REFLEX Beurteile die unterschiedlichen Darstellungen der Französischen Revolution (Materialien 5 bis 9) aus der Perspektive der ersten beiden Strophen des Gedichts „Checking Out Me History“ (= Material 10) des aus Jamaica stammenden Schriftstellers John Agard.
  6. *** REFLEX Erörtere, wie – deiner Ansicht nach – eine adäquate Darstellung der Jakobinerherrschaft in einem Schulbuch aussehen sollte. Beurteile in diesem Zusammenhang, ob eine Darstellung der Französischen Revolution und der Herrschaft der Jakobiner ohne Bezugnahme auf die Revolution auf Haiti sinnvoll ist.
  7. *** REFLEX A politician from Indo-China (now Vietnam) – who had fought against the French colonial power in order to gain independence in the 1950s – was asked what he thought of the French Revolution. His answer was: “It is too soon to tell.” Give an explanation for his answer.

 

Material 1: Gemälde – Touissant Louverture

 

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AUFGABEN

  1. REPRO Schildere knapp den Verlauf der Französischen Revolution seit 1789.
  2. TRANS Vergleiche die Schulbuchdarstellung der Jakobinerregierung in Material 5 mit derjenigen in Material 6.
  3. REPRO Fasse die in den Materialien 7, 8 & 9 getroffenen Einschätzungen der Französischen Revolution zusammen und berücksichtige dabei  insbesondere die Einschätzung der Jakobinerherrschaft.
  4. ** REFLEX Erörtere mögliche ideologische oder weltanschauliche Hintergründe, die für die unterschiedlichen Darstellungen verantwortlich sein könnten.
  5. **REFLEX Beurteile die unterschiedlichen Darstellungen der Französischen Revolution (Materialien 5 bis 9) aus der Perspektive der ersten beiden Strophen des Gedichts „Checking Out Me History“ (= Material 10) des aus Jamaica stammenden Schriftstellers John Agard.
  6. *** REFLEX Erörtere, wie – deiner Ansicht nach – eine adäquate Darstellung der Jakobinerherrschaft in einem Schulbuch aussehen sollte. Beurteile in diesem Zusammenhang, ob eine Darstellung der Französischen Revolution und der Herrschaft der Jakobiner ohne Bezugnahme auf die Revolution auf Haiti sinnvoll ist.
  7. *** REFLEX A politician from Indo-China (now Vietnam) – who had fought against the French colonial power in order to gain independence in the 1950s – was asked what he thought of the French Revolution. His answer was: “It is too soon to tell.” Give an explanation for his answer.

 

Material 2: Verlauf der Französischen Revolution seit 1789

Die Vertreter des „dritten Stands“ erklären sich zur Nationalversammlung

 

Der König will die Nationalversammlung auflösen. Er befiehlt der Armee, gegen die Abgeordneten der Nationalversammlung vorzugehen.

Am 14. Juli 1789 kommt es zum „Sturm auf die Bastille“. Die Bastille war ein Gefängnis und ein Waffenarsenal. Teile der Pariser Bevölkerung bewaffneten sich. Sie stellen sich der Armee des Königs entgegen. Deshalb konnte der König sein Ziel nicht erreichen.

Die Nationalversammlung trat weiterhin zusammen und beschloss im August 1789 die -> „Erklärung der Menschen- und Staatsbürgerrechte“

 

Nationalversammlung beschließt eine Verfassung 

 

In der Verfassung werden die Grundrechte der StaatsbürgerInnen festgelgt. Die Grundrechte der Staatsbürger müssen von der Regierung respektiert werden. Ein Staat, der nach diesem Prinzip „funktioniert“, wird als -> Rechtsstaat bezeichnet.

 

Die Verfassung bestimmt auch, dass die folgenden „Gewalten“ voneinander getrennt sein sollen.

·       Legislative (Gesetzgebung = Parlament)

·       Exekutive (Regierung)

·       Rechtsprechung (unabhängige Gerichte)

Frankreich wird eine Republik

 

Die Machthaber in Preußen und in Österreich rechneten damit, dass auch in Berlin und in Wien eine demokratische Revolution wie in Frankreich beginnen könnte.

Sie wollten dem König von Frankreich dabei helfen, sich gegen die demokratischen Kräfte durchzusetzen.

Im Jahr 1792 begann ein Krieg zwischen Frankreich auf der einen Seite, und Österreich und Preußen auf der anderen Seite. Die französische Armee hatte anfangs wenig Erfolg in diesem Krieg. König Ludwig XVI. wurde von vielen dafür verantwortlich gemacht.

Im September 1792 rief die Nationalversammlung die Republik aus. Der König war damit entmachtet. Er wurde vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und im Jänner 1793 hingerichtet.

 

Regierung der Jakobiner

 

Diese Phase der Französischen Revolution wird von HistorikerInnen sehr verschieden beurteilt.

Neben dem Rechtsanwalt Robespierre spielte der im Juni 1793 ermordete Marat (-> Bild von David),  der Herausgeber des „Ami du peuple“, eine wichtige Rolle bei den Jakobinern. Während ihrer Regierung  wird die Sklaverei in den französischen Kolonien abgeschafft.

Ende der Jakobinerregierung („Thermidor“)

 

Im Juli wird die Regierung der Jakobiner gestürzt und Robespierre zum Tod verurteilt. Der Sturz der Jakobiner wird von manchen auch einfach als „Thermidor“ bezeichnet. „Thermidor“ war eigentlich der neue Name für den Monat Juli im neuen Revolutionskalender.

Der „Wohlfahrtsausschuss“ der Jakobiner wird ersetzt durch ein Direktorium, das in Frankreich regiert. Die Girondisten übernehmen die führende Rolle in der Regierung. Viele Girondisten waren Vertreter des wohlhabenden Großbürgertums (Händler, Manufakturbesitzer, Bankiers etc.).

Napoleon übernimmt die Macht

 

Napoleon war als Artilleriehauptmann im Krieg gegen Österreich und Preußen bekannt geworden, weil er in einigen Schlachten erfolgreich gewesen war.

1799 übernimmt Napoleon die Macht in Frankreich. Er stellte sich gegen die Kräfte, welche die Königsherrschaft wieder einführen wollten.

1804 führt Napoleon eine Volksabstimmung durch und lässt sich als Kaiser der Franzosen bestätigen.  Im „Code Napoleon“ werden wichtige „allgemein bürgerliche“ Gesetze gesammelt.

Material 3: The Haitian Revolution

The Haitian Revolution, was a successful anti-slavery and anti-colonial insurrection that took place in the former French colony of Saint Domingue that lasted from 1791 until 1804. It affected the institution of slavery throughout the Americas.

In 1789, there were half a million slaves working on plantations owned by French colonists and every year an average of 30,000 slaves were imported from Africa to Haiti alone. The slave-owners made huge profits by exporting sugar, coffee and tobacco produced by slave labour. Inspired by the French Revolution of 1789 and the declaration of the rights of men, slaves in French colonies in the West Indies demanded freedom.

By 1791, the most important development was the Haitian slave revolution led by Toussaint Louverture, a former slave. In 1793 the National Convention in Paris, led by Robespierre and the Jacobins (Jakobiner), endorsed the abolition of slavery in all the French colonies.

After the end of the Jacobins’ rule in France in 1794, Louverture declared Haiti’s independence. Thereafter, in 1802 Napoléon Bonaparte sent an expedition of more than 20,000 soldiers to regain control of the island and to re-establish slavery as well as the status of Haiti as a colony of France. The Haitians defeated the French troops in 1803, thus accomplishing the first ever successful slave revolution. France then withdrew its remaining troops from the island and Napoleon gave up his idea of re-establishing a North American empire. Haiti’s independence was proclaimed in 1804.

Material 4: The Declaration of the Rights of Man

 

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Vergleich unterschiedlicher Darstellungen der Jakobinerregierung

Im ersten Schritt vergleichen wir den Umfang der beiden Texte.

 

 

 

Zeitbilder 5&6

 

Geschichte 7

 

Umfang des Textes

 

 

 

 

 

Im zweiten Schritt ermitteln wir, in welchem Zeitraum das behandelte Geschehen stattgefunden hat.

 

 

 

Zeitbilder 5&6

 

Geschichte 7

 

Welcher zeitliche Ablauf der Ereignisse wird angegeben?

 

 

 

 

 

 

Im dritten Schritt fassen wir zusammen, was wir über die Ursachen des Ereignisses erfahren.

 

 

 

Zeitbilder 5&6

 

Geschichte 7

 

Wie werden in den Texten die  Ursachen dafür erklärt, warum die Jakobiner die Macht übernommen haben?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im vierten Schritt suchen wir im Text nach Informationen darüber, welche Handlungen die Jakobiner gesetzt haben und mit welchen Absichten die Jakobiner gehandelt haben.

 

 

 

Zeitbilder 5&6

 

Geschichte 7

 

Welche Maßnahmen der Jakobiner werden genannt?

 

Warum ergreifen die Jakobiner diese Maßnahmen?

 

Welche Absichten haben die Jakobiner verfolgt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im fünften Schritt untersuchen wir, welche Wertungen und Urteile der Autorinnen und Autoren wir im Text finden können. Wir untersuchen auch, wie die Urteile begründet werden.

 

 

Wie bewerten und beurteilen die AutorInnen die Regierung der Jakobiner?

 

Welche Argumente führen die Autoren für ihre Beurteilung an?

 

 

Nenne Begriffe und Wörter, mit denen die Jakobiner und die Handlungen der Jakobiner charakerisiert werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Material 5: Zeitbilder 5&6

 

Der Terror als Regierungsmittel

 

Den Jakobinern gelang es schließlich, die Macht an sich zu reißen. Die radikale Minderheit hatte sich – vorerst in
Paris – durchgesetzt. Es erhoben sich die Provinzen gegen die zentralistische Diktatur der Jakobiner. Diese Aufstände wurden in einem wahren Vernichtungskrieg mit aller Grausamkeit (Massenerschießungen und Massenertränkungen) niedergeschlagen.

Auch in der Kulturpolitik kam es zu radikalen Neuerungen. Die Kirchen- und Religionsfeindlichkeit erlebte einen Höhepunkt. Das Christentum wurde abgeschafft und ein „Kult der Vernunft“ eingeführt. An die Stelle des christlichen Kalenders trat ein „vernünftiger“: Die Monate wurden in drei Dekaden geteilt, Tage und Monate erhielten neue Namen.

Die Politik der Pariser Regierung geriet in dieser Zeit unter den immer stärker werdenden Druck der radikalisierten
Volksmassen von Paris. Drei Gesetze begründeten die nun folgende „Schreckensherrschaft“ der Gruppe um Robespierre (September 1793 bis Juli 1794):

 

Der Schrecken („la terreur“) wurde offiziell als Regierungsmittel anerkannt.

Das Gesetz gegen die Verdächtigen ermöglichte es dem Regime, sich aller Personen zu entledigen, die es für
gefährlich hielt.

Es wurden Lebensmittelhöchstpreise festgesetzt.

Alle, die gegen diese und andere Gesetze verstießen, wurden verhaftet und vor ein Revolutionstribunal gestellt. Von dort führten nur zwei Wege weg: in die Freiheit oder unter die Guillotine, das „Rasiermesser der Nation“. Ein ordentlicher Prozess oder Verteidigungsmöglichkeit war nicht vorgesehen.

Insgesamt werden die Opfer der Schreckensherrschaft auf ca. 15 000 allein in Paris geschätzt; dazu kamen noch
mehr als 100 000 im übrigen Frankreich. Die Mehrzahl der Opfer entstammte den Unterschichten, die sich durch
Verstöße gegen das Höchstpreis-Gesetz ein besseres Leben schaffen wollten. Aber selbst die Regierungskollegen Robespierres waren vor dessen Diktatur nicht sicher. Er brachte alle seine Rivalen um die Macht vor das Revolutionstribunal, das ganz unter seinem Einfluss stand. Dieses schickte sie dann weiter zur Guillotine. Die Revolution fraß ihre Väter. Schließlich schlossen sich die Bedrohten zusammen und verhafteten den Diktator. Robespierre endete wie die Opfer seiner Schreckensherrschaft unter dem Fallbeil.

Die Reaktion der Besitzenden

Viele Maßnahmen der Jakobinerherrschaft wurden nun rückgängig gemacht. Die Preiskontrolle wurde aufgehoben, politische Gefangene wurden befreit und einige der grausamsten Terroristen hingerichtet. Durch die Wiederherstellung der Wirtschaftsfreiheit stiegen allerdings die Lebenshaltungskosten sehr stark an. Anhänger des Königtums versuchten, die schlimme Lage der Pariser Bevölkerung auszunützen, und wagten einen Aufstand. Der junge General Napoleon Bonaparte erhielt die Führung der Truppen, die die Aufständischen zusammenschlossen. Das liberale Großbürgertum hat die Vormacht im Staat wieder zurückgewonnen.

(zitiert aus: Zeitbilder 5&6 – 1. Auflage 2006, S. 159-160)

 

Material 6: Geschichte 7

Jakobiner und Sanscoulotten im Bündnis

In den Städten und Dörfern Frankreichs jubelten die Menschen über den Sieg von Valmy und die Ausrufung der Republik. Doch bald verbreiteten sich Enttäuschung und Zorn. Die Regierung der Girondisten ließ es zu, daß die Getreidehändler und die Kaufleute in den Häfen den Kriegszustand ausnutzten, um das Korn und den Zucker zu Wucherpreisen zu verkaufen. Das Brot wurde immer teurer, und oft brachten die Händler überhaupt kein Getreide auf den Markt, um die Preise noch höher zu treiben. […]

Am 2. Juni 1793 bewaffneten sich die Handwerker, Gesellen und Arbeiter von Paris [die sogenannten „Sanscoulotten“] erneut. Sie umzingelten den Konvent und erreichten, daß die Führer der Girondisten verhaftet und die Regierung den Jakobinern übergeben wurde . Die Jakobiner gaben dem Land eine neue Verfassung, errichteten für die Zeit des Krieges eine Revolutionsregierung, die Jakobinerdiktatur. […]

 

Freiheit den Bauern und Brot den Armen

Nach dem 2. Juni 1793 riefen die Girondisten zum Aufstand gegen die Jakobiner auf, der zwei Drittel des Landes erfaßte. England, das sich dem konterrevolutionären Bündnis der europäischen Feudalmächte angeschlossen hatte, landete Truppen an der französischen Küste. Die preußisch-österreichische Armee drang wiederum in Frankreich ein. Das ermutigte die Anhänger der Konterrevolution in Frankreich, erneut aus ihren Schlupfwinkeln hervorzukommen. Sie überfielen besonders bekannte Revolutionäre und verübten zahlreiche Morde. Überall verbreiteten sie Schrecken und Unruhe. So kam auch eine adlige Konterrevolutionärin nach Paris und ermordete dort heimtückisch den vom Volk geliebten Marat.

Die Jakobiner im Wohlfahrtsausschuß handelten kühn und entschlossen, so wie es die gefährliche Lage erforderte. Zuerst erfüllten sie die Forderungen der Bauern. Diese hatten seit 1789 immer wieder die Beseitigung der feudalen Abgaben gefordert und sich dafür auch erhoben. Das den Bauern im Laufe früherer Jahrhunderte von den Feudalherren geraubte Gemeindeland wurde ihnen zurückgegeben und machte sie zu freien Eigentümern ihres Landes. Damit vollendete die Jakobinerdiktatur die bürgerliche Revolution in Frankreich. Das Land der geflüchteten Adligen wurde in kleine Parzellen geteilt, die jetzt auch ärmere Bauern käuflich erwerben können. Der Wohlfahrtsausschuß unter den Jakobinern befreite auch die arbeitenden Menschen in der Stadt von der schlimmsten Not. Er erfüllte die stürmisch vorgetragenen Forderungen der Sansculotten und setzte Höchstpreise für Brot und andere Lebensmittel durch. Eine besondere Armee wurde aufgestellt, die das Getreide in die Städte holte und alle Wucherer hart bestrafte. Der Wohlfahrtsausschuß entsandte Kommissare mit bewaffneten Abteilungen in die Gebiete, in denen Konterrevolutionäre wüteten. Viele Gegner der Revolution, Spekulanten und Kriegsgewinnler wurden hingerichtet. Mit Hilfe des Volkes stellten die Kommissare in kurzer Zeit die Herrschaft der Jakobiner über ganz Frankreich wieder her. So sicherte der Wohlfahrtsausschuß die Errungenschaften der Revolution gegen den Ansturm der inneren Feinde.

Alles für die Verteidigung der Republik! – Soldaten der Revolution siegen über Fürstenheere

[…] Nachdem die Jakobiner die Revolution vollendet und die inneren Feinde niedergeworfen hatten, blieb aber noch das Schwerste zu tun: der Kampf gegen die tödliche Bedrohung durch die Feudalmächte Europas. Vom kapitalistischen England, das sich die französischen Kolonien aneignen wollte, erhielten diese Mächte Geld. Damit schufen sie Armeen, die Frankreich erobern sollten. Danach planten sie, die Monarchie und die Herrschaft der Feudalherren wiederherzustellen. […]

Wer tapfer und klug war, konnte in der Armee schnell befördert werden. Es herrschte eine strenge, aber keine kleinliche Disziplin. Das Schlagen, Auspeitschen und Spießrutenlaufen, wie es in den Armeen der Fürsten üblich war, gab es nicht. Die Jakobiner schufen aus den zu Eigentümern ihres Bodens gewordenen Bauern eine Armee von bewußten und treuen Kämpfern, die die Sache der Revolution auch unter Einsatz ihres Lebens verteidigten.

Die Überlegenheit der Revolutionsarmee gegenüber den Fürstenheeren zeigte sich bald in ihren Erfolgen. Bereits im Herbst 1793 war Toulon, das die Engländer besetzt hielten, nach längerer Belagerung zurückerobert worden. Ein junger Artilleriehauptmann, Napoleon Bonaparte, hatte den Plan zur Rückeroberung der Stadt ausgearbeitet und seine Durchführung geleitet. Der Konvent beförderte ihn dafür zum General. […]

Robespierre (Abbildung) über den revolutionären Terror: „Das eine oder das andere muß unterliegen. Die Menschheitsbedrücker bestrafen ist milde, ihnen verzeihen ist Unmenschlichkeit.“

 

Das Ende der Revolution 1794/95 – Die Besitzenden triumphieren

 

Im Laufe der Revolution hatte die französische Bourgeoisie an Reichtum und Einfluß gewonnen. Durch den Erwerb von Ländereien der geflohenen Adligen und der Kirche, durch Heereslieferungen und Spekulationen hatte sich das Bürgertum bereichert und zahlenmäßig vergrößert. Die reichsten Angehörigen des Bürgertums stellten eine neue, sehr einflußreiche Schicht, die Großbourgeoisie, dar. Die französische Großbourgeoisie hatte die Diktatur der Jakobiner geduldet, solange die Republik bedroht war. Als die Gefahr einer ausländischen Intervention beseitigt worden war, wollten die französischen Großkaufleute und Fabrikbesitzer unter anderem die lästige Preiskontrolle und die Aufsicht über den Innen- und Außenhandel durch den Wohlfahrtsausschuß beseitigen. Ihr Besitz an Land, Manufakturen, Fabriken, Reedereien und Handelshäusern war von den Jakobinern nicht angetastet worden. Als Angehörige des Kleinbürgertums war den Jakobinern natürlich das Privateigentum an den Produktionsmitteln heilig. Doch die Herrschaft Robespierres und seiner Freunde hinderte die Großbourgeoisie daran, sich unbeschränkt auf Kosten des Volkes zu bereichern. Gerade das aber mißfiel dem Großbürgertum. Deshalb setzten die Girondisten im Frühjahr 1794 ihr Geld und ihren Einfluß daran, um im Konvent und in den Ausschüssen eine Verschwörung gegen Robespierre und seine engsten Freunde zustandezubringen. Der Jakobinerdiktatur drohte aber auch von anderer Seite Gefahr. Seit dem Winter 1793/94 hatte sie sich auch von den Volksmassen entfernt. Beispielsweise hatte sie im Dezember 1793 bis Kriegsende Wahlen untersagt.[…]

Am 27. Juli 1794, dem 9. Thermidor (dem »Hitzemonat“) nach dem Revolutionskalender, ließen die von der Großbourgeoisie gedungenen Verschwörer Robespierre, Saint-Just und andere Jakobiner verhaften. Bereits am nächsten Tag wurden sie hingerichtet. Damit trat wieder die Großbourgeoisie die Herrschaft an. Vertreter der reichsten französischen Kaufleute, Bankherren, Manufakturbesitzer und Großgrundbesitzer bildeten eine neue Regierung. Banden von jungen Bürgersöhnen, die man die „Goldene Jugend“ nannte, schlugen auf der Straße mit Knüppeln auf alle ein, die als Jakobiner bekannt waren. Der Konvent ließ den Jakobinerklub schließen. In vielen Teilen Frankreichs wurden bekannte Jakobiner und Vertreter der Volksmassen ermordet. Der Konvent hob das Gesetz über die Höchstpreise auf. Jetzt begannen die Händler und Fabrikanten, zügellos die Preise in die Höhe zu treiben. Zur Verteuerung der lebensnotwendigen Waren kam die Geldentwertung. Das Volk wurde, im Gegensatz zur Zeit der Jakobinerdiktatur, dem Hunger und der Not preisgegeben.

 

Die französische bürgerliche Revolution gibt der Welt das Beispiel

Der bürgerlichen Revolution in Frankreich folgten weitere Erhebungen in Europa und Amerika. Die Nachrichten von der Erstürmung der Bastille, von der Aufhebung der Feudallasten, vom Sturz des Königtums und von den Siegen der Revolutionsarmeen erweckten auch in anderen Ländern die Hoffnung, das feudale Joch abschütteln zu können. Mutige Bürger, Bauern und Handwerker erhoben sich gegen Fürsten und Feudalherren. In Europa geschah das in Belgien, Polen, Irland, Italien, Spanien, Österreich, Schweiz und Deutschland. Später folgten revolutionäre Erhebungen in Rußland und Griechenland.

Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die die Gleichheit aller Menschen verkündete, fand besonders großen Widerhall unter der Bevölkerung der französischen, spanischen und portugiesischen Kolonien in Mittel- und Südamerika.

Auf der Insel Haiti, die zu einem Teil Frankreich, zum anderen Spanien gehörte, erhoben sich 1791 die aus Afrika stammenden Sklaven gegen die Herrschaft der Plantagenbesitzer. Unter ihrem Führer Toussaint L’Ouverture, den der Konvent zum General ernannte, siegten sie. Im Februar 1794 [= also noch während der Jakobinerherrschaft] hob der Konvent für alle französischen Kolonien die Sklaverei auf. 1804 erklärten die Kampfgefährten Toussaint L’Ouvertures Haiti zur unabhängigen Republik. Damit blieb die erste Befreiungsrevolution gegen die Kolonialherren in Mittel- und Südamerika siegreich.

 

[Zitiert nach: Geschichte 7 – Volkseigener Verlag Berlin (DDR) 1987, S. 159-170]

 

Material 7: Der Philosoph Slavoj Zizek über die Jakobinerregierung

 

Material 8: C.L.R. James – The Black Jacobins

 

It is Toussaint’s [= the leader of the slave uprising on Haiti since 1791] supreme merit that while he saw European civilization as a valuable and necessary thing, and strove to lay its foundations among his people, he never had the illusion that it conferred any moral superiority. He knew French, British, and Spanish imperialists for the insatiable gangsters that they were, that there is no oath too sacred for them to break, no crime, deception, treachery, cruelty, destruction of human life and property which they would not commit against those who could not defend themselves.

[…] The slaves destroyed tireless. From their masters they had known rape, torture, degradation, and, at the slightest provocation, death. They did as they had been taught. And yet they were surprisingly moderate, far more humane than their masters had been or would ever be to them. The cruelties of property and privilege are always more ferocious than the revenges of poverty and oppression. For the one aims at perpetuating resented injustice, the other is merely a momentary passion soon appeased.

[…] Long before abolition [of slavery] the mischief had been done in the French colonies. And it was not abolition but the refusal to abolish which had done it. […] When history is written as it ought to be written, it is the moderation and long patience of the masses at which men will wonder, not their ferocity.”

 

C.L.R. James, The Black Jacobins: Toussaint L’Ouverture and the San Domingo Revolution [San Domingo/Saint Domingue was the name of the French colony later known as Haiti)

 

Material 9: Eric Hobsbawm – The Age of Revolution

It [= die Zeit der Jakobinerregierung 1793-94] was not a comfortable phase to live through, for most men were hungry and many afraid. But it was a phenomenon as awful and irreversible as the first nuclear explosion, and all history has been permanently changed by it. And the energy it generated was sufficient to sweep away the armies of the old regimes of Europe like straw.

 

Eric Hobsbawm, „The Age of Revolution. Europe 1789 – 1848“, London 2012, S. 94

 

Material 10: John Agard – Checking Out Me History

Dem tell me

 

Dem tell me

Wha dem want to tell me

Bandage up me eye with me own history

Blind me to me own identity

Dem tell me bout 1066 and all dat

dem tell me bout Dick Whittington and he cat

But Toussaint L’Ouverture

no dem never tell me bout dat

 

Toussaint

a slave

with vision

lick back

Napoleon

Battalion

and first Black

Republic born

Toussaint de thorn

to de French

Toussaint de beacon

of the Haitian Revolution

 

[…]

 

            Was ist eine Revolution?

 

  • Zitat: „Eine Revolution tritt dann ein, wenn die Beherrschten nicht mehr so weiter machen wollen wie bisher und die Herrschenden nicht mehr so weiter machen können wie bisher.“

 

  • Eine wirtschaftliche Produktionsweise (Beispiel: Feudalismus, Kapitalismus und Industrialisierung, „Freie Marktwirtschaft“ etc.)
  • Eine gesellschaftliche Ordnung (Feudale Ständeprivilegien, Sexismus, Rassismus etc.)
  • Eine polititische Regierungs- oder Staatsform (Monarchie ohne Gewaltenteilung, Parlamentarische Demokratie mit Gewaltenteilung, Räteregierung etc.)

 

… wird durch eine andere, mit dieser Produktionsweise – gesellschaftlichen Ordnung – Regierungsform unvereinbare, andere Produktionsweise/Gesellschaftsordung/Regierungsform ersetzt.

 

  • Eine Revolution kann auf einem der drei, zwei der drei oder auf allen drei Bereichen stattfinden.

 

  • Eine Revolution findet unter Anteilnahme größerer Teile der Bevölkerung statt (im Unterschied zu einem Staatsstreich – Coup d’etat – Putsch), sie führt oft zum „Auseinanderbrechen“ der staatlichen „Ordnungsmächte“, insbesondere der Armee, die teilweise oder übewiegend zu den revolutionären Kräften „überlaufen“

 

  • Auch wenn sich die revolutionären Veränderungen innerhalb kurzer Zeit durchsetzen/durchgesetzt werden, so ist eine Revolution meist ein längerer Prozess, das heißt es entstehen zuerst – über Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte – die Voraussetzungen für eine Revolution.

 

Beispiel Französische Revolution:

  • Die feudalen (gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen) Privilegien des Adels werden abgeschafft und durch eine rechtliche und politische Gleichheit aller (männlichen, „weißen“, europäisch-stämmigen) Menschen ersetzt.

 

  • Das Feudaleigentum an Grund und Boden (der Kirche und des weltlichen Adels) und die feudalen Pflichten der Bauern gegenüber den Adeligen (Frondienste etc.) werden abgeschafft und Privatbesitz (Kauf und Verkauf von Grund und Boden) wird ermöglicht.

 

  • Juli 1789

Mit der Französischen Revolution wird der Tag verbunden, an dem die Bastille (ein Gefängnis und zugleich Waffenarsenal) in Paris von revolutionär eingestellten Teilen der Bevölkerung gestürmt wurde, um sich zu bewaffnen und damit die Auflösung der Nationalversammlung (des „3. Standes“) durch dem König gegenüber loyale Truppem zu verhindern.

 

Beispiel Russische Revolution:

  • Das Feudaleigentum an Grund und Boden (der Kirche und des weltlichen Adels) wird abgeschafft und unter die Kontrolle Bauernräte („Bauernsowjets“) gestellt („verstaatlicht“).

 

  • „Private Enterprise“ und freie Marktwirtschaft werden durch „Nationalisierung“/“Verstaatlichung“ der großen Industriebetriebe und Banken ersetzt

 

  • November 1917 (= 25. Oktober nach Julianischem Kalender)

Mit der Russischen Oktoberrevolution wird der Tag verbunden, an dem die „Roten Garden“ auf Befehl des Vorsitzenden des Petersburger „Sowjets“ (=Rat), Leo Trotzki, das Winterpalais, also den Sitz der „Provisorischen Regierung“ gestürmt und diese durch eine von Kommunisten dominierte Räteregierung ersetzt haben.

 

 

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