Vom Ersten Weltkrieg zur Operation Enduring Freedom – WikiLeaks und Whistleblowing

Veröffentlicht: 4. Dezember 2014 in Aktuelle politische Probleme
Schlagwörter:, , , , , , , , , , , ,

VOM ERSTEN WELTKRIEG ZUR OPERATION ENDURING FREEDOM
1. Der Irak nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918)

Die Mittelmächte – das Bündnis der Verlierer (Deutschland, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich) -verlieren alle Kolonien. Diese gehen v.a. an GB (z.B. Namibia, Tansania) und Frankreich (z.B. Kamerun). Mit der Niederlage und dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs gehen auch die (deutschen) Hoffnungen auf die Kontrolle über die Ölvorkommen im Irak verloren.
Die Entente-Mächte vereinbaren 1916 im geheimen Sykes-Picot Abkommen die Aufteilung der Gebiete des ehemaligen Osmanischen Reichs zwischen Russland, Großbritannien und Frankreich. GB kontrolliert den Irak, Frankreich die kurdischen Gebiete und Syrien sowie Russland die östliche Türkei („Armenien“).

Karte_Sykes_Picot_1916
1917: USA tritt im Frühjahr auf Seite der Entente in den Weltkrieg ein, Russland nach der Oktoberrevolution 1917 aus dem Krieg aus. Dort entsteht die Sowjetunion, die in den kommenden Jahrzehnten zum Partner anti-kolonialer Bewegungen in Asien und Afrika wird…

2. Iran-Irak-Krieg (1980 -1988) – Der allererste Golfkrieg

Ziele:
Eroberung iranischer Erdölfelder östlich des Grenzfluss Schat al Arab durch den Irak, Schwächung der „Islamischen Republik Iran“, die seit dem Sturz des Schah von Persien im Jahr 1979 kein Bündnispartner des Westens mehr war.
Von 1981 bis 1985 war der Irak weltweit einer der größten Importeure von Rüstungsgütern, Saddam Hussein kaufte Waffen im Wert von rund 24 Milliarden Dollar, das Geld dafür kam aus dem Ölverkauf und von Krediten der Golfmonarchien (Saudi-Arabien, Kuwait). Der Iran kaufte im gleichen Zeitraum Waffen im Wert von 6,4 Milliarden Dollar v.a. aus der Sowjetunion, China, Nordkorea und aus Österreich („Noricum-Skandal“).

us_rumsfeld_sdam_1983

Dem Irak unter Diktator Saddam Hussein gelangen trotz einer Materialüberlegenheit im Verhältnis 3:1 keine dauerhaften militärischen Erfolge gegen die Armee des Iran, der als einzigen Verbündeten kurdische Rebellen im Irak hatte. Hussein setzte sowohl bei der Bekämpfung der Kurden im eigenen Land (Nordirak) als auch gegen die iranische Armee Giftgas ein.

Ergebnisse:
• Krieg endet „unentschieden“, Grenzverlauf bleibt im Wesentlichen unverändert
• Riesige Profite für zahlreiche Rüstungsfirmen
• Armee des Irak war zur 4. stärksten Armee der Welt aufgerüstet worden
• Rund 1 Million tote Iraki und Perser

3. Der „Erste Irakkrieg“ und die „Neue Weltordnung“

Ziele:
(Völkerrechtswidrige) Besetzung des Emirats Kuwaits durch den Irak, nachdem Kuwait nicht bereit gewesen war, dem Irak einen Teil der Kreditschulden zu erlassen

Geführt von US-Streitkräften wird der Irak durch Luftangriffe innerhalb weniger Monate (Jänner 1991 – März 1991) besiegt. Zum Einsatz kamen in diesem Krieg erstmals hunderte Tonnen panzerbrechende Geschosse aus radioaktivem und toxischem „Depleted Uranium“ (DU-Munition).

Ergebnisse:
• Niederlage des Irak und „No-Fly-Zones“ im Norden und Süden des Irak
• Unzählige tote bzw. krebskranke irakische ZivilistInnen als „Kollateralschaden“, u.a. auch aufgrund von Vergiftungen durch Uranmunition. Letzteres wird vom Westen bestritten.

4. Operation Enduring Freedom (OEF) seit Oktober 2001

Ziele:
Dauerhafte Freiheit (Enduring Freedom) und grenzenlose unendliche Gerechtigkeit (Infinite Justice)

Die „Operation Enduring Freedom“ sollte ursprünglich „Operation Infinite Justice“ heißen. Sie ist bekannt als Hauptbestandteil des nach dem 11. September 2001 von der U.S.-Regierung unter George W. Bush erklärten „Global War on Terror“. Dieser wird von den meisten NATO-Verbündeten (z.B. Deutschland) unterstützt und begann mit Luftangriffen der britischen und U.S.-Streitkräfte im Oktober 2001 und der Eroberung und Besetzung Afghanistans. Derzeit wird die OEF unter anderem mit Drohnenangriffen in Pakistan und im Jemen fortgesetzt wird.

Ergebnisse:
(Vermutlich völkerrechtswidrige) Eroberung Afghanistans
Zahlreiche Zivilisten als Kollateralschäden
Wiederbelebung der Drogenproduktion in Afghanistan

WEITERENTWICKLUNG UND BEACHTUNG DER GRUND- UND MENSCHENRECHTE


Im Gefangenenlager Guantanamo wurden seit 2002 sogenannte „ungesetzliche Kombattanten“ inhaftiert. Im Dezember 2002 billigt US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in einem nicht öffentlichen Vermerk 16 spezielle Verhörmethoden für Guantanamo, darunter dass Gefangenen durch Hunde Angst gemacht wird, dass sich Häftlinge bei Verhören nackt ausziehen müssen und dass sie bis zu vier Stunden unbequeme Haltungen einnehmen müssen. Des Weiteren erlaubt der Pentagonchef Isolationshaft, Verhöre bis zu 20 Stunden und den Entzug warmer Mahlzeiten.“ [5] Das Verbot von Folter gelte nicht für so genannte „feindliche Kämpfer“, außerdem erklärte er, dass Verhörpraktiken wie das Waterboarding nicht als Folter einzustufen seien.
USA wollen Guantanamo am 22. Januar 2010 schliessenDie Rechtslage der Gefangenen, deren Haftbedingungen, die verwendeten Verhör- und Foltermethoden und die Verstöße gegen die Menschenrechte führen international zu scharfer Kritik und zu Forderungen nach Schließung. Nachdem seit 2002 insgesamt 779 Gefangene dort inhaftiert worden waren, betrug deren Zahl Anfang Juni 2014 noch 149.[4]
Kein Einzelfall: Lakhdar Boumedien war siebeneinhalb Jahre unschuldig in Guantanomo inhaftiert. Dem aus Algerien stammenden Boumedien wurde vorgeworfen, einen Anschlag auf die US-Botschaft in Bosnien im Jahr 2002 geplant zu haben. Als Kläger im Präzedenzfall Boumediene v. Bush wurde er durch ein ziviles Strafgericht 2009 freigesprochen.
5. Der „Zweite Irakkrieg“ (März 2003 – ?)

Ziel:
(Völkerrechtswidrige) Eroberung des Irak durch britische und U.S.- Streitkräfte bzw. „Präventivschlag“

U.S.-Regierung unter George Bush Jr. verbreitet monatelang gezielt Falschinformationen über die kurz bevorstehende Fertigstellung von Atomwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen durch den Irak.

Bombardierung Bagdads seit März 2003, Invasion durch Bodentruppen der USA und der „Koalition der Willigen“ und die Eroberung Bagdads im Mai 2003 – Militärische Besetzung des Irak v.a. durch britische und U.S.-amerikanische Truppen

Abu Ghoraib

Ende August 2003 schickte US-Verteidigungsminister Rumsfeld den Befehlshaber des Gefangenenlagers Guantanamo, General Miller, in den Irak, um dort vor Ort im Gefängnis Abu Ghoraib sein Know-how zur Verfügung zu stellen. Im Gefängnis sollten Informationen für den militärischen Nachrichtendienst beschafft werden. Bis Ende Oktober 2003 verdoppelte sich in vier Wochen die Gefangenenzahl in Abu Ghuraib auf 6.000.
Bilder von der systematischen Folterung und teilweise Tötung irakischer Gefangener im Gefängis Abu Ghora durch das Wachpersonal der U.S. Army wurden erstmals im Mai 2004 durch die Presse veröffentlicht. Das Bild des mit Elektroschocks gefolterten Satar Jabar wurde zum Symbol des Skandals. An beiden Händen und am Penis waren stromführende Drähte befestigt. Ihm wurde angedroht, dass er durch Elektroschocks hingerichtet würde, falls er von der Kiste falle. Als das Foto an die Öffentlichkeit gelangte, leugneten die US-Stellen, dass die Kabel stromführend gewesen seien.

„90 Prozent der Insassen … waren unschuldig … Sie waren einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen“, sagt die damalige Abu-Ghuraib-Kommandantin Karpinski später.[3]

Unknown

http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Abu_Ghraib_prisoner_abuse?uselang=de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s