Martin Luther, die Reformation und der Bauernkrieg

Veröffentlicht: 28. Oktober 2014 in Neuzeit
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Für die Landbevölkerung in Deutschland und anderen Gegenden in Europa hatte sich durch die Entdeckung Amerikas nicht viel zum Besseren verändert. Die meisten Bauern waren weiter ihren Grundherren hörig oder leibeigen. Die kirchlichen und weltlichen Grundherren, also die Bischöfe, Äbte und Grafen, verlangten von den Bauern immer mehr Frondienste.

Viele Grundherren entzogen den Bauern alte Rechte , z.B. das Recht, Fische zu fangen in Seen und Bächen, oder das Recht, Holz zu schlagen im Gemeindewald. Sogar das Einsammeln von Holz, das am Boden lag, sollte den Bauern verboten werden. Wälder und Weiden, die allen Menschen einer Gemeinde zur Verfügung standen, wurden als „Allmende“ bezeichnet. Die adeligen Grundherren versuchten, diese Allmende zu ihrem Privateigentum zu machen, sie also zu „privatisieren“.

Die Abgaben an den Grundherren hatten die Bauern jahrhundertlang immer in Naturalien geleistet, also sie mussten von der Ernte einen Teil abgeben. Nunmehr forderten viele Grundherren aber, dass die Bauern ihre Abgaben in Geld leisten sollten, was für ärmere Kleinbauern unmöglich war. Nach dem Tod eines Bauern mussten die Hinterbliebenen des Verstorbenen die Hälfte des Besitzes an den Grundherren abtreten. Dieser sogenannte „Todfall“ wurde von den Bauern als untragbare Belastung empfunden. Hörige Bauern, die ihre Abgaben nicht mehr leisten konnten, wurden zu Leibeigenen ihres Grundherren. In vielen Fällen waren die Grundherren kirchliche Einrichtungen wie Klöster oder Bischöfe.

Die Katholische Kirche bestimmte über Jahrhunderte viele Lebensbereiche der Menschen in Europa. Sie bestimmte darüber, welches Verhalten als gut und anständig galt und welches Verhalten als verwerflich, sündhaft und schlecht verurteilt wurde. Deshalb haben immer wieder Menschen das Verhalten des Papstes und das Luxusleben vieler kirchlicher Würdenträger kritisch betrachtetet. Das war allerdings nicht ohne Risiko: Menschen, die sich mit der Kirche kritisch auseinandersetzten, so wie z.B. der tschechische Priester Jan Hus, wurden nicht selten als Ketzer verurteilt auf dem Scheiterhaufen bei lebendigem Leibe verbrannt.

Der Mönch Martin Luther sprach sich dagegen aus, dass die Bauern ausgebeutet wurden, nur um damit den Luxus des Papstes und der Kirche zu finanzieren. Besonders kritisierte Luther die Vorstellung, dass man gegen eine Geldzahlung an die Kirche, also durch den Kauf eines Ablassbriefes, die Vergebung der Sünden erlangen könne.

Luther musste am Reichstag in Worms 1521, wo auch Kaiser Karl V. anwesend war, erscheinen. Er war aber nicht bereit, seine Kritik an der Kirche zu widerrufen (= zurückzunehmen). Dieses mutige Auftreten war für viele Bauern in Deutschland ein Signal, für eine Verbesserung ihrer Lage zu kämpfen.

Luther wurde von Kaiser Karl V. für vogelfrei erklärt. Der einflussreiche Kurfürst von Sachsen versteckte Martin Luther aber auf der Wartburg, um ihn zu schützen. Martin Luther übersetzte in seinem Versteck die Heilige Schrift ins Deutsche. Dabei bemühte er sich darum, den Leuten „auf’s Maul zu schauen“. Er verwendete also eine Sprache, die die Menschen wirklich verstanden. Die Übersetzung der Bibel war ein wesentlicher Beitrag zur Entstehung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache. Die deutsche Übersetzung der Bibel machte es den Bauern möglich, nachzuprüfen, was in der Heiligen Schrift tatsächlich geschrieben steht. Damit hatten die Bauern auch die Möglichkeit, sich auf Stellen in der Heiligen Schrift zu beziehen, um ihre Forderungen zu rechtfertigen.

KARTE des Bauernkriegs im 16. JahrhundertIm Jahr 1524 erreichen die Konflikte zwischen Bauern und Grundherren erstmals einen Höhepunkt. In diesem Jahr verweigerten die Bauern massenhaft, den Grundherren die Abgaben zu entrichten.

Eine Vielzahl von Priestern, soldarisierten sich mit den Bauern und ihren Forderungen. Einer von ihnen war Thomas Müntzer. Müntzer predigte, dass Jesus auf der Seite der Armen steht. Die Herrschaft der Adeligen, die selbst in Luxus leben, während die Bauern in Armut und Elend leben müssen, sei ungerecht. Er predigte, dass die Bauern der Obrigkeit (= den Adeligen) nicht bedingunglosen Gehorsam schuldig sind, wenn die Adeligen ungerecht sind. Gott duldet keine Tyrannei, sondern verspreche allen Menschen Freiheit und Gleichheit.

Im Frühjahr 1525 wurden mehr als hundert Beschwerden über Zwangsarbeit und andere Missstände von Bauern zusammengetragen und als Sammelklage gegen die Adeligen vor Gericht eingebracht. Am 6. März 1525 trafen sich in Memmingen (im südwestlichen Bayern) Vertreter der Bauern, um sich zu beraten. Das Ergebnis dieses Treffens waren die Zwölf Artikel, das waren die wichtigsten Forderungen der Bauern.

In den zwölf Artikeln forderten die Bauern, dass die Gemeinde ihren Pfarrer selber wählen sollte, damit dieser für sie das „reine Evangelium“ predigt und nicht die Rechtmäßigkeit der adeligen Abgaben predigt. Die Bauern forderten auch, dass die Willkür der grundherrlichen Gerichte beendet werden müsse. Weiters forderten sie die Abschaffung der Erbschaftssteuer („Todfall“) in der Höhe der Hälfte des bäuerlichen Besitzes. Auch die Frage der Frondienste spielte eine wichtige Rolle. Diese wurden willkürlich von den Grundherren in immer höherem Ausmaß eingefordert. Die Bauern forderten, dass die Frondienste nicht einseitig von den Grundherren erhöht werden dürfen. Die Bauern forderten auch „Freiheit“. Damit meinten sie, dass die Leibeigenschaft ersatzlos abgeschafft werden sollte. Die Allmende (= Gemeindewiesen und Äcker) soll allen Bauern gemeinsam zur Verfügung stehen und sie soll nicht von den Grundherren „privatisiert“ werden

Mind-map zum Bauernkrieg im 16. JahrhundertDen adeligen Herrschern, die nicht bereit waren, die Forderungen der Bauern zu erfüllen, wurde der Kampf angesagt. Die Bauern belagerten Burgen und Klöster der Grundherren und forderten von diesen die Annahme der 12 Artikel. Wenn sich die Adeligen weigerten, griffen sie Burgen und Klöster an, um sie zu erobern und die Annahme der 12 Artikel zu erzwingen.

Die Aufstände dehnten sich im Frühjahr 1525 über weite Gebiete des Deutschen Reichs aus. Im süddeutschen Raum erhoben sich die Bauern zwischen dem Elsass (Rhein), dem Schwarzwald, der heutigen Schweiz und Bayern. Nach Norden dehnte sich der Bauernkrieg im Frühjahr 1525 bis zum Main, nach Thüringen und nach Sachsen aus.  Dieser „Bauernkrieg“ endete mit militärischen Niederlagen der Bauern. Die Bauern waren gegen die mit Feuerwaffen und Kanonen schwer bewaffneten Söldnerheere der Landesfürsten sowie des Kaisers Karl V. unterlegen. Es folgten zahlreiche Hinrichtungen von Bauern, die sich dem Aufstand angeschlossen oder ihn unterstützt hatten, zehntausende verloren ihr Leben. Ein Pfarrer aus der Schweiz meinte, dass innerhalb eines Jahres noch nie „soviel Christenblut vergossen“ worden sei „durch den Henker“.

Nachdem sich die Bauern in Österreich im Jahr 1525 nicht erhoben hatten, kam es im Jahr 1526 in Tirol, Salzburg und in Oberösterreich ebenfalls zu Bauernerhebungen. Die Aufstände der Bauern waren in erster Linie von ihren zeitgenössischen Gegnern als „Bauernkrieg“ bezeichnet worden. Inzwischen hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass es sich beim Bauernkrieg um die erste Revolution auf dem Gebiet des heutigen Deutschland (und Österreich) handelt. Die Forderungen nach Grundrechten oder Menschenrechten wie „Freiheit“ und die Beendigung der Willkür der Grundherren werden als frühe demokratische Forderungen gesehen. Historiker haben deshalb die alternative Bezeichnung „Revolution des gemeinen Mannes“ vorgeschlagen.

Bis ins 20. Jahrhundert herrschte die Auffassung, dass die „Revolution des gemeinen Mannes“ in einer vollständigen Niederlage für die Bauern geendet habe. Es hat aber auch einige Verbesserungen für die Bauern gegeben hat. Im süddeutschen Raum wurden die erdrückend hohen Erbschaftssteuern verringert und das Recht auf freie Heirat gewährt.

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