Der Westen nach 1945: Freiheit, Demokratie und Menschenrechte?

Veröffentlicht: 26. März 2014 in Nach 1945, Oberstufe
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In der Nachkriegszeit versprachen die USA, sich weltweit für Demokratie einzusetzen. Doch um eigene geo-strategische und wirtschaftliche Interessen des „Westens“ durchzusetzen, verbündeten sie sich häufig mit Diktatoren – und unterstützten sie offen.

Im März 1946 machte der britische Premierminister Winston Churchill in einer Rede in Fulton (Missouri) die Sowjetunion 1945_Kalter_Krieg_Deutschland_Europa_Teilungdafür verantwortlich, einen »Eisernen Vorhang« errichtet und damit Europa geteilt zu haben. In seiner berühmt gewordenen Verurteilung der Tyrannei berief er sich auf die »großartigen Prinzipien der Freiheit und der Menschenrechte«, die er als das »gemeinsame Erbe der englischsprachigen Welt« beschwor.
trumanPräsident der USA war damals der Demokrat Harry Truman, der im April 1945 als Nachfolger des verstorbenen Franklin D. Roosevelt ins Amt gekommen war. Die republikanische Opposition warf Truman zunächst Passivität gegenüber dem Kommunismus vor, der damals in Europa an Boden gewann und insbesondere auf die anti-kolonialen Befreiungsbewegungen in Afrika und Asien wachsenden Einfluss erlangte. Truman reagierte im März 1947 mit einer Rede vor dem Kongress in Washington, in der er verkündete, die USA würden fortan Demokratie und Freiheit auf allen Kontinenten verteidigen. Damit war die »Truman-Doktrin« geboren, die allerdings von Anfang an durch eine Doppelmoral gekennzeichnet war: Die »freie Welt« tolerierte, förderte und schützte autoritäre und repressive Regime und Diktaturen, sofern sie sich nur als antikommunistisch definierten und den wirtschaftlichen und geo-strategischen Interessen (Militärbasen) der USA dienten.

1945_KARTE_Kalter_Krieg_MilitärinterventionenDas galt auch für Europa. Das von Antonio de Oliveira Salazar seit 1932 autoritär regierte Portugal gehörte 1949 zu den zwölf ersten Unterzeichnern des Nordatlantikpakts (Nato), wurde jedoch erst 1955 in die UNO aufgenommen. Das Salazar-Regime hatte im Spanischen Bürgerkrieg die Faschisten unterstützt, seit 1943 aber den Kriegsschiffen der Alliierten die Nutzung der Azoren und Madeiras gestattet. Salazar blieb bis 1968 im Amt. Sein Nachfolger Caetano, der den Krieg in den afrikanischen Kolonien Angola und Mosambik gegen die von der Sowjetunion unterstützten Befreiungsbewegungen mit aller Härte führte, wurde erst durch die »Nelkenrevolution« vom April 1974 gestürzt. Spaniens Diktator Francisco Franco (1939- 1975), der mit Hitlers Unterstützung in einem dreijährigen Bürgerkrieg die Regierung der spanischen Republik besiegt hatte, war so stark kompromittiert, dass das Land sowohl vom Marshallplan von 1947 als auch von der Nato ausgeschlossen blieb. Doch die politische Isolierung währte nur kurz. 1950 gewährte Washington dem Land bereits den ersten Kredit, und 1953 wurde ein Kooperations- abkommen unterzeichnet, in dem Franco der US-Regierung die Nutzung der spanischen Militärbasen gestattete und im Gegenzug dafür Wirtschaftshilfe erhielt. 1955 wurde Spanien gemeinsam mit Portugal in die UNO aufgenommen; 1982, sieben Jahre nach Francos Tod, trat das Land der Nato bei.
In Griechenland, das seit 1952 mit der Türkei die Südostflanke der Nato bildete, half der US-Geheimdienst CIA 1967 bei der Errichtung der Militärdiktatur. Das »Obristenregime« bekämpfte bis 1974 mittels blutiger Repression Gewerkschaften und linke Parteien. Auch die türkischen Generäle, die 1980 das Kriegsrecht verhängten, mussten nicht mit Widerspruch aus Washington rechnen, als sie alle Parteien verboten und Oppositionelle verfolgten.

Als Truman seine Doktrin verkündete, unterstützten die USA in ihrem »Hinterhof« Lateinamerika, den sie als wirtschaftliche und politische Einflusszone betrachteten, bereits mehrere Diktaturen. Zu den Regimen, die 1947 in den Interamerikanischen Verteidigungspakt und ein Jahr später in die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS)
aufgenommen wurden, zählte das 1930 durch einen Putsch etablierte Regime von Rafael Trujillo in der Dominikanischen Republik ebenso wie die Diktatur von Anastasio Somoza, der seit 1936 in Nicaragua
herrschte. Hinzu kamen 1952 die Diktaturen von Fulgencio Batista in Kuba und von Marcos Perez Jimenez in Venezuela. Dabei ging es immer auch darum, die Interessen US-amerikanischer Konzerne wie der United Fruit Company, welche die landwirtschaftliche Produktion in vielen Ländern kontrolliert, davor zu bewahren, zum Opfer von Landreformen oder Gewerkschaften zu werden, welche sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Landarbeiter einsetzten.
Unter dem Widerspruch zwischen der Truman-Doktrin und der realen Außenpolitik Washingtons litt das Ansehen der USA in Lateinamerika erheblich. Der demokratische Präsident John F. Kennedy unterstützte in den Jahren 1962 und 1963 Militärputsche in Guatemala, Ecuador, Honduras und wiederum in der Dominikanischen Republik, auch hier ging es darum, demokratisch gewählte Regierungen zu beseitigen, die Landreformen durchführen wollten. In den 1970er Jahren unterstützten die republikanischen Regierungen unter Nixon und Ford die Militärdiktaturen in Brasilien, Argentinien und Uruguay. Der 1971 gewählte Präsident von Chile, Salvador Allende, leitete soziale Reformen ein, welche die Vergesellschaftung der Kupferbergwerke und anderer Unternehmen vorsah, die u.a. dem US-amerikanischen Konzern IT&T Chile_1973gehörten. Der IT&T-Konzern, der schon mit Hitlers Regime in den 1930er Jahren kooperierte, finanzierte gemeinsam mit der CIA rechts-extreme Militärs in Chile, welche unter Führung Augusto Pinochets am 11. September 1973 die Allende Regierung in einem blutigen Putsch stürzten und 10.000e chilenische Demokrat_innen ermordeten.
Nachdem die Sandinisten in Nicaragua 1979 den Diktator Somoza gestürzt hatten, finanzierte die CIA die antikommunistischen Contras, die zahlreiche Gewerkschafter und Befreiungstheologen terrorisierten und ermordeten. Desgleichen stabilisierten die US-Geheimdienste die Militärdiktatur im benachbarten EI Salvador, die ebenfalls links gerichtete und kirchliche Oppositionelle im eigenen Land verfolgte und ermordete.
pinochet thatcherPräsident Jimmy Carter hat ab 1977 zwar Druck auf Südafrika ausgeübt und im Namen der Menschenrechte die Abschaffung der Apartheid gefordert, doch im Iran unterstützte er weiterhin das Regime von Schah Reza Pahlevi, der mithilfe seiner berüchtigten Geheimpolizei Savak regierte. Der Schah war 1953 durch einen von der CIA inszenierten Putsch gegen Premierminister Mossadegh an die Macht gekommen. Mossadegh hatte damit begonnen, die von BP und anderen westlichen Konzernen kontrollierte Ölförderung zu vergesellschaften. Ähnlich verhielt sich Washington in Südostasien. Seit 1954 setzte man im Rahmen der SEATO (Southeast Asia Treaty Organisation) auf das thailändische Militärregime und hielt den philippinischen Diktator Ferdinand Marcos (1965-1986) an der Macht.
Ein Freund der US-Regierung war auch das indonesische Regime von General Suharto (1967- 1998), der 1965 die Kommunistische Partei Indonesiens zerschlagen und mehr als 500.000 ihrer Mitglieder liquidiert hatte und der 1976 die Annexion Osttimors befahl, bei der 200.000 Menschen ums Leben kamen.

US_Osama_Bin_Laden_90erNach dem Zusammenbruch des Ostblocks im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurde die neokonservative »Neue Weltordnung« zur ideologischen Grundlage des US- amerikanischen Interventionismus. Nachdem »der Kommunismus« als Gegner abhanden gekommen war, wurde nun der sogenannte Islamismus zum Hauptfeind des Westens – und der Freiheit – ausgerufen. Vergessen wird dabei bis heute, dass der CIA noch in den 1980er islamische Mudschahedin als „Widerstandskämpfer“ gegen den Kommunismus in Afghanistan finanziell und mit Waffen unterstützt hatte.

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