Jüdisches Leben in Wien seit dem Mittelalter – eine Stadtführung

Veröffentlicht: 1. September 2013 in Mittelalter, Neuzeit, Oberstufe
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STATION 1: Das Jordan Haus – Judenplatz 2

Wer aufmerksam durch Wien geht, insbesondere durch die Leopolsstadt und die Innere Stadt, bemerkt zahlreiche Zeichen vergangenen und aktuellen jüdischen Lebens, aber auch jüdischen Leidens, in der Stadt.

Hinrichtung von Juden in Wien 1421Der Name „Jordan-Haus“ leitet sich vom ersten Hauseigentümer Georg Jordan ab, der dieses Gebäude im Jahr 1497 an der Stelle eines älteren Baus errichten ließ. Auffallend ist das vermutlich auch um 1500 entstandene Relief mit der Darstellung der Taufe Jesu im Fluss Jordan mit der Inschrift:

„Durch die Fluten des Jordan wurden die Leiber von Schmutz und Übel gereinigt. Alles weicht, was verborgen ist und sündhaft. So erhob sich 1421 die Flamme des Hasses, wütete durch die ganze Stadt und sühnte die furchtbaren Verbrechen der Hebräerhunde. Wie damals die Welt durch die Sintflut gereinigt wurde, so sind durch das Wüten des Feuers alle Strafen verbüßt.“

Die erste Vertreibung und Ermordung der Wiener Juden (die erste Gesera) im Jahr 1421 wird hier als Sühne für die „furchtbaren Verbrechen“ der Juden dargestellt und gerechtfertigt. Unter den „furchtbaren Verbrechen“, die jahrhundertelang in Europa den Juden zum Vorwurf gemacht worden sind zählen der Gottesmord, die Ermordung christlicher Kinder sowie die Hostienschändung. Mit der ersten Gesera kam die „erste Epoche“ der Juden in Wien zu einem Ende.

Grob gesprochen gab es bis zur Shoah während des Zweiten Weltkriegs drei große „Epochen“ der jüdischen Gemeinde in Wien. Die erste Epoche war die mittelalterliche Gemeinde in der Gegend rund um den heutigen Judenplatz von der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bis zur ersten Gesera 1421. Die zweite „Epoche“ war die Wiederansiedlung von Juden seit dem 16. Jahrhundert, wobei die Juden seit 1624 ein Getto auf dem Gebiet der heutigen Leopoldstadt westlich der Taborstraße zugewiesen bekamen. Mit dem Vorwurf der Spionage für die vorrückenden Türken wurde die zweite generelle Vertreibung aller Juden durch König Leopold I im Jahr 1670 begründet. Nur noch einzelne, der Wirtschaft und dem Staat nützliche Juden wurden in Wien „toleriert“, so der Hoflieferant Samuel Oppenheimer.

Mit dem sogenannten „Toleranzpatent“ von Joseph II gab es zwar keine staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden, es wurden aber einige besonders diskriminierende Bestimmungen beseitigt wie die Verpflichtung, Bärte zu tragen. Seit dem späten 18. Jahrhundert stieg die Zahl der Juden in Wien wieder an, vor allem durch Zuwanderung aus Böhmen, Mähren und Ungarn, später aus Galizien. Einige der berühmtesten Wiener des 19. und 20. Jahrhunderts stammten aus jüdischen Familien, so die in Wien geborenen Schriftsteller Joseph Roth und Arthur Schnitzler, der Hollywood-Regisseur Billy Wilder sowie der aus Mähren (heute Tschechien) eingewanderte Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud. Im 19. Jahrhundert wurde auch die heute berühmteste Wiener Brauerei von der jüdischen Familie Kuffner betrieben. Diese dritte Epoche fand mit der Emigration bzw. der Vernichtung der rund 180.000 in Wien lebenden Juden während des Zweiten Weltkriegs ein Ende. Nur wenige überlebende Juden kamen nach dem 2 WK wieder nach Wien, heute hat die Kultusgemeinde rund 7.000 Mitglieder.

STATION 2: Museum Judenplatz – Judenplatz 8

Die erste größere Zuwanderung von Juden nach Wien war in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, und das war in mehrerlei Hinsicht kein Zufall. Es war die Zeit, zu der jüdische Bewohner_innen in England durch den König von England vermehrter Verfolgung ausgesetzt waren und im Jahr 1290 endgültig aus England vertrieben wurden. AMoneylenders and trading minorities in the Middle Ages.

In Frankreich wiederum gab es im 13. Jahrhundert eine große soziale und religiöse Oppositionsbewegung von „Häretikern“. Die einflussreichste dieser häretischen Bewegungen, die Katharer (von denen sich der Begriff „Ketzer“ ableitet), waren auch besonders dadurch charakterisiert, dass sie anderen Religionen wie dem Judentum mit großer Toleranz begegneten. Das südlichen Frankreich, wo die Katharer großen Einfluss hatten, war für viele Jüdinnen und Juden ein sicherer Hafen und ein Zufluchtsort zu einer Zeit, als Anit-Judaismus in Westeuropa zunahm. Hier enstand im 13. Jahrhundert die „Kabbala“, die mystische Denkschule der Juden.

Mit den Kreuzzügen der Katholischen Kirche und der weltlichen Adeligen gegen die Gemeinden der Katharar („Ketzer“) und anderer häretischer Bewegungen im 13. Jahrhunderts, verschlechterte sich auch die Lage der jüdischen Gemeinden, die auch aus Frankreich vertrieben wurden – und gezwungen waren, sich weiter ostwärts niederzulassen.

Der Babenberger Herzog Friedrich der Streitbare hatte im Jahr 1244 ein „Judenprivileg“ ausgestellt, das Juden in Wien gegen Zahlung von Abgaben unter besonderen Schutz stellte und Übergriffe gegen sie unter Strafe verbot. Die ersten jüdischen Zuwanderer ließen sich in der Nähe der Babenbergerresidenz „Am Hof“ nieder. Vermutlich in den 1270er Jahren wurde die Synagoge am Judenplatz errichtet. Während Rudolf I von Habsburg bereits in den „neuen Burg“, dem Kern der heutigen Hofburg residierte, lebten die Juden mehr oder weniger freiwillig in der „Judenstadt“, d.h. es gab noch keinen ihnen zugewiesenen begrenzten Raum wie später das Getto in der Leopoldstadt im 17. Jahrhundert. Die spätmittelalterliche jüdische Gemeinde war wie ihr christliches Gegenüber oligarchisch organisiert, d.h. wenige einflussreiche Familien hatten entscheidenden Einfluss in wirtschaftlichen und religiösen Angelegenheiten. Als Kontaktpersonen zum Herzog gab es sogenannte „Judenmeister“, Personen aus den einflussreichsten jüdischen Familien, die manchmal auch als Ratgeber des Herzogs fungierten.

In der Gemeinde gab es ein Spital sowie sogenannte „Zechen der Juden“, die soziale und karitative Aufgaben erfüllten. Wie überall im Mittelalter gab es auch in Wien zahlreiche Badehäuser, die auch eine wichtige Funktion im sozialen Leben der Stadt hatten und die zunächst von Christen und Juden gemeinsam besucht wurden. Nachdem von Seiten der christlichen Eliten das gemeinsame Baden von Juden und Christen untersagt worden war, richtete die jüdische Gemeinde 1360 zwei eigene Badehäuser ein, eines davon in der Kleeblattgasse.

Im Spätmittelalter bekam die Münzgeldwirtschaft ebenso wie das Kreditwesen eine immer größere Bedeutung. Wie schon früher in England und Frankreich hatten viele jüdische Geschäftsleute auch in Wien eine wichtige Rolle im Geld- und Kreditwesen. Juden waren gewissermaßen geradezu verpflichtet, liquid zu sein. Wenn christliche Arbeitgeber z.B. ihren Tagelöhnern im Weinberg ihren Lohn nicht in Geld bezahlen konnten oder es zwischen christlichen Geschäftspartner dazu kam, dass jemand nicht bezahlen konnte, so beschaffte man sich das Geld bei einem jüdischen Kreditor und der Schuldner stand sodann bei diesem in der Kreide. Hauptgeldnehmer waren zwar der hohe Adel sowie die Habsburger, darüber hinaus nahmen aber auch zunehmend viele Wiener Patrizier (reiche Bürger) gegen ein Grundstückspfand Darlehen bei jüdischen Geldgebern auf. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts waren zeitweise die Hälfte aller Häuser in Wien an jüdische Kreditgeber verpfändet. Zu dieser Zeit erlebte Wien unter Herzog Rudolf IV insgesamt einen bevölkerungsmäßigen und wirtschaftlichen Aufschwung (Universitätsgründung), so auch die jüdische Gemeinde, die rund 900 Mitglieder zählte, was rund fünf Prozent der Stadtbevölkerung entsprach.

Seit ungefähr 1400 kam es zu einem Niedergang der jüdischen Gemeinde. Erstens eignete sich der Habsburger Herzog die bereits vom Englischen König John am Beginn des 13. Jahrhunderts vertretene Überzeugung an, dass es sich bei dem Geld, das die Juden in Umlauf brachten, eigentlich um sein Geld handelte. Es stiegen auch immer mehr Christen ins Kreditgeschäft ein. Nach einem Brand im jüdischen Viertel 1406 kam es zu Plünderungen, an denen sich besonders Studenten der Universität Wien beteiligt haben sollen. Der Höhepunkt der Verfolgung der Juden und das Ende der ersten jüdischen Gemeinde in Wien fiel – wie schon zuvor in Frankreich im 13. Jahrhundert – mit den Kreuzzügen und Kriegszügen gegen eine häretische Bewegung, die Hussiten, zusammen. Die Hussiten (und Taboriten) waren eine soziale und demokratische Bewegung in Böhmen, die sowohl die Herrschaftsposition der Kirche als auch diejenige des weltlichen Adels in Frage stellte. Mit ihrer Weigerung, Grundherren Dienste und Geldleistungen zu entrichten sowie ihrer rasch wachsenden Anhängerschaft wurden die Taboriten und Hussiten für die ungestörte Machtausübung der herrschenden Klasse ein erhebliches Hindernis. Die Wiener Juden wurden beschuldigt, die Hussiten mit Waffen beliefert und sie auch anderweitig unterstützt zu haben. Die Juden mussten im Sommer 1420 entweder die Stadt verlassen oder sich zwangsweise taufen lassen. Um der Zwangstaufe zu entgehen, begingen zahlreiche Juden in der Synagoge Selbstmord. Die restlichen etwa 200-300 Juden wurden im März 1421 auf der Gänseweide in Erdberg auf einem Scheiterhaufen bei lebendigem Leibe verbrannt. Anlass für dieses Todesurteil war der neben dem Vorwurf, die Hussiten zu unterstützen, der Vorwurf der „Hostienschändung“ durch Juden. Seit dem Jahr 1420 war der Habsburger Herzog Albrecht zusammen mit 150.000 anderen „Kreuzfahrern“ in insgesamt fünf Kriegszügen gegen die Taboriten und Hussiten in Böhmen gezogen, die alle fünf erfolglos blieben.

STATION 3: Stadttempel – Seitenstettengasse 4

Hinter der Fassade dieses bürgerlichen Stadthauses verbirgt sich die älteste noch existierende Synagoge Wiens. Während es den Juden der ersten beiden „Epochen“ in Wien gestattet gewesen war, Synagogen zu errichten, war es den Juden nach der zweiten Gesera 1670 bis ca. 1800 überwiegend verboten, ihre Religion öffentlich auszuüben.

Der sogenannte „aufgeklärt-absolutistische“ Kaiser Joseph II erließ eine Bauvorschrift für nicht katholische Gotteshäuser, die vorschrieb, dass diese von der Straße aus nicht sichtbar hinter der Fassade eines Stadthauses versteckt sein mussten. Nach dieser Bauvorschrift erhielten die Juden 1824 erstmals wieder die Genehmigung, eine neue Synagoge zu errichten, die 1826 eröffnet wurde. Diesem eingebettet sein in einen ganzen Häuserblock verdankt es die Synagoge, dass sie im Gegensatz zu dutzenden anderen Synagogen in Wien während des Novemberpogroms 1938 nicht in Brand gesteckt wurde, da die Gefahr bestanden hätte, dass der ganze Häuserblock in Flammen aufgeht. Die von den Nazis verwüstete Innenausstattung wurde im Jahr 1963 generalsaniert.

STATION 4: Morzinplatz

Nach dem „Anschluss“ im Jahr 1938 richtet die Geheime Staatspolizei im Hotel Metropol ihr Hauptquartier ein. Das ehemalige Hotel wurde in den letzten Kriegstagen im Frühjahr 1945 völlig zerstört. 1951 errichtete der KZ-Verband ein erstes Denkmal, 1985 stiftete die Stadt Wien ein neues Denkmal. Über den Hintereingang wurden in der Zeit der NS-Herrschaft mindestens 50.000 Menschen, vor allem politische Gegner sowie Jüdinnen und Juden, von der Gestapo verhaftet und viele von ihnen in dem Hotel inhaftiert und gefoltert. Viele wurden von hier in Konzentrationslager nach Dachau (bei München), später nach Mauthausen (Oberösterreich) und schließlich in die Vernichtungslager und nach Auschwitz deportiert.

STATION 5: Leopoldstadt

Heute jenseits des Donaukanals, früher inmitten sich weit verzweigender Donauarme liegt die Leopoldstadt. Das ehemals als Unterer Werd bekannte Gebiet zwischen den Donauarmen war bis 1850 ein Vorort von Wien und wurde im Jahr 1850 eingemeindet. Nach der Zerstörung der Wiener Judenstadt im Jahr 1421 gab es rund 150 Jahre lang kein jüdisches Leben mehr in Wien. Bis zur Zeit der zweiten „Gesera“, also der zweiten Vertreibung der Juden aus Wien im Jahr 1670 befand sich auf dem Gebiet östlich der Taborstraße das jüdische Getto. Diese, auch „Mazzes-Insel“ (von Mazzot, das ungesäuerte Brot, das während des Pessachfestes gegessen wird) genannte Gegend bildete seit dem 17. Jahrhundert bis heute das Zentrum des jüdischen Lebens in Wien. Insbesondere seit der Öffnung von Teilen des Praters für die Öffentlichkeit im Jahr 1766 durch Kaiser Joseph II erlebte die Leopoldstadt einen Aufschwung. Der Weg in den Prater, die Praterstraße wurde im 19. Jahrhundert zu einem der prominentesten Straßenzüge Wiens. Hier lebten zahlreiche prominente Wiener Familien, so im Haus Nr. 16 die Familie des berühmten jüdischen Arztes Dr. Johann Schnitzler, Vater des 1862 geborenen Schriftstellers Arthur Schnitzer, Autor von Leutnant Gustl, Der Reigen, Die Traumnovelle.

STATION 6: Türkischer Tempel – Zirkusgasse 22

Hier stand der 1887 eröffnete „Türkische Tempel“, die Synagoge der Sephardischen jüdischen Gemeinde in Wien. Warum türkischer Tempel? Eigentlich sind damit die sephardischen Juden gemeint, das waren diejenigen Juden, die auf der iberischen Halbinsel im arabischen Caliphat von Cordoba gelebt hatten. Als im Jahr 1492 mit Granada die letzte von den Arabern („Mauren“) gehaltene Bastion von der sogenannten spanischen Reconqista („Rückeroberung“) erobert worden war, lebten rund 200.000 sephardische Juden in Spanien. Diese wurden gezwungen, sich innerhalb von vier Monaten entweder zwangsweise taufen zu lassen oder zu emigrieren. Daraufhin verließen rund 150.000 Juden Spanien in Richtung Nordafrika, West- und Mitteleuropa, die meisten fanden im Osmanischen Reich Aufnahme. Im Zuge der Expansion des Osmanischen Reichs und der sogenannten „Türkenbelagerungen“, die letzte in Wien im Jahr 1683, gelangten zahlreiche sephardische Juden auf den Balkan. Nach dem Abschluss von Friedensverträgen der Habsburger mit dem Osmanischen Reich wurde sephardischen Juden auch die Niederlassung in Wien möglich. Da sie rechtlich gesehen Untertanen des osmanischen Sultans waren, hatten sie wesentlich mehr Rechte als die bereits in Wien lebenden so genannten „tolerierten“ Juden, so durften sie öffentlich ihren Gottesdienst abhalten und hatten bereits 1778 eine eigene Synagoge, deren Standort allerdings nicht bekannt ist.

Im Gegensatz zu den Sephardischen Juden handelt es sich bei den Aschkenasischen Juden um Juden, die im Laufe des Mittelalters und der frühen Neuzeit aus West- und Mitteleuropa, insbesondere aus Deutschland und Österreich vertrieben wurden und sich in Osteuropa niedergelassen hatten. Dort entwickelte sich das Jiddische, eine Sprache, die Elemente des Mittelhochdeutsch, des Hebräischen mit slawischen Elementen verbindet.

Die 1887 eingeweihte Synagoge der sephardischen Gemeinde war in Erinnerung an die spanisch-arabische Herkunft der türkischen Juden im orientalischen Baustil errichtet worden. Die Synagoge wurde wie alle Synagogen in Wien im Zuge des Novemberprogroms (sogenannte „Reichskristallnacht“ in der Nacht vom 9. auf den 10. November) 1938 zerstört. SA- und SS-Männer plünderten die Synagoge, warfen geplünderte Gegenstände auf die Straße vor der Synagoge und steckten diese in Brand. Der sephardische Synagoge befindet sich heute in der Tempelgasse 7 in unmittelbarer Nachbarschaft des ehemaligen Leopoldstädter Tempels.

[http://www.hoerspuren.at/november38.mp3

Minute 6:50 – 10:00]

STATION 7: Leopoldstädter Tempel – Tempelgasse 5

Leopolstädter Tempel - Beim Novemberpogrom 1938 zerstörtNach der rechtlichen Anerkennung der Wiener Juden als Gemeinde im Jahr 1852 begann die Gemeinde damit, zahlreiche soziale Einrichtungen für ihre Mitglieder (Altersheime etc.) zu errichten. 1867 wurden erhielten die Juden mit der neuen Verfassung erstmals alle staatsbürgerlichen Grundrechte. Zwischen 1860 (6.200) und 1880 (73.000) verzehnfachte sich die Zahl der jüdischen Bewohner_innen Wiens, wobei in der Leopoldstadt am meisten Juden wohnten. 1858 wurde der Leopoldstädter Tempel als die größte Synagoge Wiens mit 2.000 Sitzplätzen errichtet. Während früher Synagogen hinter einer Mietshausfassade versteckt werden mussten, war der Leopoldstädter Tempel ein frei stehendes Gebäude und damit auch ein Symbol für das zunehmende Selbstbewusstsein vieler Wiener Juden. Wie alle anderen Synagogen wurde auch der Leopoldstädter Tempel im Zuge des Novemberpogroms 1938 geplündert und in Brand gesteckt. Heute erinnern nur noch vier Säulen an den ehemals größten jüdischen Tempel in Wien. Heute befindet sich ein in den 1990er Jahren errichtetes Gebäude an der Stelle des ehemaligen Tempels in dem das Psychosoziale Zentrum der Kultusgemeinde, ESRA, untergebracht ist.

 

[http://www.hoerspuren.at/november38.mp3 Radioreportage 10. 11. 1938 ab Minute 10:20 – 19:30]

-> Moneylenders and trading minorities in the Middle Ages

Over the course of the centuries, European Jews were excluded from almost any other line of work, exept for moneylending. Christian rulers exploited, for their own purposes, the fact that Jews did sit slightly outside the system. Many encouraged Jews to operate as moneylenders, under their protection, simply because they also knew that protection could be withdrawn at any time. The kings of England were notorious in this regard. They insisted that Jews be excluded from merchant and craft guilds, but granted them the right to charge extravagant rates of interest, backing up the loans by the full force of law. But it also gave the king the opportunity to periodically play the populist card, humiliating their Jewish financiers and even encouraging pogroms by townsfolk. Particularly gruesome massacres occured in Norwich in 1144 AD, and in France in Blois in 1171.

Debtors in medieval England were regularly thrown in prisons until their families settled with the creditor. Yet the same regularly happened to the Jews themselves. In 1210 AD, King John ordered a tallage (Taille = außertourlich eingehobene Steuer) to pay for his wars in France and Ireland. According to a contemporary chronicle, all Jews througout England were seized, imprisoned and „tortured in order to do the king’s will with their money.“ One wealthy merchant, Abraham of Bristol, who the king decided owed him ten thousand marks of silver (a sum equivalent to a sixth of John’s total annual revenue), became famous for holding out. The king therefore ordered that one of his molars be pulled out daily, until he paid. After seven had been extracted, Abraham finally gave in. Such stories about the extraction of Jewish teeth are important to bear in mind when thinking of Shakespeare’s imaginary Merchant of Venice demanding his „pound of flesh.“ It all seems to be a kind of a guilty projection of terrors that Jews had not visited on Christians, but that had been directed the other way round.

One mustn’t exaggerate the Jewish role in lending. Most Jews had nothing to do with the business, and those who did were typically bit players, making minor loans of grain or cloth for a return in kind. The rise of rural usury was itself a sign of a growing free peasantry and the growing imortance of money in the economy. It accompanied the „commercial revolution“ of the High Middle Ages, all of which finally brought Western Europe to a level of economic activity comparable to that long since considered normal in other parts of the world. This economic changes came along with the steady deterioration of the legal and social status of Jews in England and France in the 12th and 13th century. There is, in fact, a revealing correlation between the displacemem of the Jews by Christian competitors, as moneylenders to Kings and popes and the new discriminatory rules (e.g., the wearing of distinctive clothing) that were adopted by the authorities against them, as well as their expulsion from England and France. Degraded by the Church, further separated by the Christian population, and forced to confine their moneylending to the village level, the Jews became an easy target for indebted peasants, who often vented on them their anger against the rich. English Jews were finally expelled in 1290.

As early as the 12th century, many Jewish moneylenders in Western Europe had been replaced by Lombards (from Northern Italy) who established themselves as rural usurers. Another group of pioneers of modern banking in Europe were the Military Order of the Knights of the Templars (Templerorden). A fighting order of monks they played a key role in financing the Crusades. Through the Templars, a lord might take out a mortgage on one of his teneents and receive a „draft“ redeemable for cash from the Temple in Jerusalem. The Templars lasted from 1180 to 1307, but finally went the way of so many Medival trading minorities: King Philipp IV, deep in debt to the order, turned on them, accusing them of unspeakable crimes. Their leaders were killed, and their wealth expropriated. Compared to the templars, the Italian banking houses such as the Medici did much better. They freed themselves from the threat of expropriation by themselves taking over governments, and by doing so, acquiring their own court systems capable of enforcing contracts and even more important, their own armies.

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